Meinungsfreiheit unter dem Hirnscanner: Wie die Wissenschaft abweichendes Denken pathologisiert

Ich habe mir kürzlich von der KI „NotebookLM“ einen Artikel von Professor Dr. med. Matthias Schrappe aufbereiten lassen, um ihn als Podcast zu hören. Bevor ich auf den eigentlichen Inhalt dieses Textes und die Überlegungen, die er in mir angestoßen hat, eingehe, möchte ich eine bemerkenswerte Beobachtung teilen: Schon ziemlich zu Beginn des Podcasts setzte die Künstliche Intelligenz ganz selbstverständlich voraus, dass Konservative die schlechteren Demokraten seien.

Ich war fast 19 Jahre in der Linken und bin heute beim BSW. Ich kenne diesen Reflex nur zu gut, wonach Konservative pauschal mit Rechten und Rechte sofort mit Rechtsextremen gleichgesetzt werden, um ihnen die Demokratiefähigkeit – oder zumindest den Willen zur Demokratie – abzuheben und abzusprechen. Dahinter verbirgt sich ein gefährliches Selbstbild vieler Linker, die sich schlicht für die besseren Menschen halten.

Der blinde Fleck der Wissenschaft

Doch zum Artikel von Matthias Schrappe, der im Cicero erschienen und auch auf seiner eigenen Webseite zu finden ist: Schrappe stellt fest, dass es in der Wissenschaft ernsthafte Bestrebungen gibt, abweichende politische Meinungen kurzerhand zu Krankheitsbildern zu erklären.

Ich finde diesen Ansatz ebenso spannend wie entlarvend. Ich würde an dieser Stelle gerne einmal eine Studie sehen, die die Forscher selbst überprüft. Fällt denn niemandem auf, dass immer nur solche Meinungen als „krankhaft“, „defekt“ oder „kognitiv rigid“ eingestuft werden, die weit von der eigenen ideologischen Blase entfernt sind?

Bei diesen wissenschaftlichen Arbeiten wird oft derselbe eklatante Fehler gemacht: Die Wissenschaftler reflektieren ihre eigene Position im Raum ihres Forschungsgebietes nicht. Wenn ein Forscherteam politisch homogen besetzt ist – und der akademische Betrieb ist heute in weiten Teilen tief links-grün geprägt –, werden zwangsläufig „passende“ Ergebnisse produziert. Die Forscher sind gar nicht mehr in der Lage, ihren eigenen Bias herauszurechnen. Normale politische Differenzen werden durch die moralischen Prämissen der Untersucher plötzlich als psychologisches Defizit umgedeutet. Gefährlich wird es, wenn man es mit Personen zu tun hat, die Wissenschaft als Waffe missbrauchen, um dem politischen Gegner Schaden zuzufügen.

In diesem Zusammenhang verweise ich auf die bekannte Prognosequalität von Experten, wie sie unter anderem der renommierte Psychologe Philip Tetlock untersucht hat: Experten haben bei Vorhersagen in ihren eigenen Fachgebieten oft eine schlechtere Trefferquote als Schimpansen, die blind mit Dartpfeilen auf eine Scheibe werfen. Und das gilt ganz besonders dann, wenn diese Experten emotional von dem Thema betroffen sind. Sobald Emotionen und Ideologien ins Spiel kommen, wird die gesamte Expertise wertlos, weil sie von der eigenen Voreingenommenheit vollkommen überlagert wird.

Wer sind die wahren Feinde der Demokratie?

Dieses gesellschaftliche Klima wirft drängende Fragen auf: Welche Gefahren gehen von jener Strömung in unserer Gesellschaft aus, die sich selbst als „links“ bezeichnet? Linke lesen solche Studien natürlich mit Begeisterung. Wenn ihnen eine Untersuchung bescheinigt, dass Rechte angeblich weniger Gehirnaktivität, einen niedrigeren IQ oder weniger Empathie besitzen, fühlen sie sich bestätigt. Sogar die KI hat diesen Bias unkritisch übernommen.

Schrappe erwähnt das in seinem Artikel zitierte Beispiel des „netten Mannes, der trotzdem AfD wählt“. Als wenn dies ein zwangsläufiger Widerspruch sein müsse. Als Pazifist könnte ich mich auch fragen, wie „nette“ Menschen überhaupt noch eine, der kriegstreiberisch agierenden Parteien der angeblichen „demokratischen Mitte“ wählen können. Ich will gar nicht bestreiten, dass es in der AfD Faschisten gibt. Aber sind nicht die Parteien viel gefährlicher, die tatsächlich Macht haben? Vor allem dann, wenn sie diese auch tatsächlich missbrauchen? . Die viel wichtigere Frage ist doch, wie sich eigentlich jene Parteien verhalten, die unentwegt von sich behaupten, die „wahren Demokraten“ zu sein und von denen drei die Regierung stellen und die anderen im Parlament vertretenen eine Opposition betreiben, die angesichts ihrer Zahmheit in vielen Bereichen als insgeheime Zustimmung mit dem Regierungshandeln gesehen werden muss..

Wir erleben derzeit, wie genau diese „Demokraten“ alles daransetzen, fundamentale demokratische Rechte einzuschränken. Angeblich, um die AfD zu treffen, werden die parlamentarischen Rechte gewählter Vertreter beschnitten und Finanzierungen für parteinahe Stiftungen blockiert. Die Meinungsfreiheit wird eingeschränkt, Staatsdiener sollen Gesinnungstests unterzogen werden. Man versucht, Anhänger missliebiger Parteien bei ihren Arbeitgebern anzuschwärzen, um ihre Jobs zu gefährden, erzwingt Kontokündigungen und kündigt unliebsamen Organisationen die Räume für Versammlungen. Es wird gesellschaftlich geächtet, überhaupt noch mit dem netten Nachbarn zu reden, wenn er sein Kreuz an der falschen Stelle macht.

Das alles sind zutiefst antidemokratische Tendenzen – und sie kommen von links. Für mich ist die Sache relativ einfach: Wer das Schlechtere tut, ist der schlechtere Mensch. Man soll sie an ihren Taten erkennen! Die AfD hatte objektiv noch gar nicht die Möglichkeit, Schlechtes auf Regierungsebene zu tun. Andere Parteien hingegen führen uns derzeit sehenden Auges in einen Krieg und fordern ungerührt, dass wir „Russland zur Kapitulation bringen“ müssen. Und ausgerechnet diese Leute halten sich für die moralisch Überlegenen?

Die Kommerzialisierung der Abweichung

Neben der politischen Dimension gibt es eine weitere, wirtschaftliche Überlegung: In unserer durchkommerzialisierten Welt wird inzwischen fast jede Abweichung von der Norm in ein Krankheitsbild gepresst. In den Kommentaren zu Schrappes Artikel wird bereits ADHS als Beispiel genannt. Aber es geht noch viel weiter. Als offizielle Diagnosen im diagnostischen Handbuch der Psychiatrie in den USA finden wir Trauer, wenn sie länger als ein halbes Jahr andauert. Auch sexuelle Unlust wird dort als diagnostizierbares Krankheitsbild definiert.

Der Vorteil für die Diagnostizierenden ist offensichtlich: Sobald etwas offiziell als Krankheit anerkannt ist, lassen sich dafür Therapien, Maßnahmen und Medikamente verkaufen. Betriebswirtschaftlich mag das nachvollziehbar sein, für das Wohlbefinden einer Gesellschaft ist es fatal.

Der übergriffige Staat und das Ende der Freiheit

Am Ende steht die maßlose Übergriffigkeit einer Politik, die in absolut jeden Lebensbereich einwirken will. Gesinnung soll nicht mehr nur bei der Einstellung in den Staatsdienst entscheiden, was schon gefährlich genug ist. Wenn es nach den zitierten Forschern geht, soll diese Gesinnung am besten direkt per Gehirnscanner überprüft werden, selbst vor Kindergärten wollen sie nicht halt machen, wie aus Schrappes Artikel hervorgeht.

Dieser Ansatz begreift den einzelnen Menschen nur noch als formbare Knetmasse. Er soll diagnostiziert, umerzogen und in die politisch gewünschte Form gepresst werden. Das ist der absolute Gipfel der Unfreiheit. Der Mensch kann sich nicht mehr frei entwickeln, im Gegenteil: Jedes noch so kleine Stück Freiheit wird früher oder später als Gefahr deklariert.

Auf diesem Weg befinden wir uns bereits: Die öffentliche Meinung wird kontrolliert, um die Gesellschaft in eine ganz bestimmte Richtung zu formen. Wenn der Staat erst einmal anfängt, den Einzelnen systematisch formen zu wollen, sind Umerziehungslager nur der nächste logische Schritt. Und wenn das nicht ausreicht, wird auch der körperliche Eingriff zum legitimen Mittel – eine Schwelle, die wir mit der enttabuisierten Pflichtimpfung für bestimmte Berufsgruppen während der Corona-Zeit längst überschritten haben. Wer politische Gegner pathologisiert, ist am Ende auch bereit, drastische Konsequenzen zu ziehen, da der Gegner nicht mehr als Mensch, sondern als Träger einer zu behandelnden „Krankheit“ gesehen wird.

Wer Krieg als legitimes Mittel der Politik sieht und sich damit anmaßt, über den Körper und das Leben anderer Menschen zu entscheiden, denkt im Kern exakt genauso wie jene Leute, die glauben, aus vermeintlich wissenschaftlichen Gründen das Gehirn und den Körper Andersdenkender zur bloßen Verfügungsmasse erklären und manipulieren zu dürfen.

Dieser Artikel erschien erstmal am 28.05.2026. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von Michal Jarmoluk auf Pixabay.

Zur Vorbereitung dieses Artikel habe ich eine KI Recherche durchführen lassen, deren Ergebnis hier zur Verfügung steht.

Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de