Ein Modul am Geländer, eine App auf dem Handy — und ein Verdacht, der sich nicht so leicht abräumen lässt, wie er klingt.
Es gibt diesen Moment kurz nach der Installation: Das Modul hängt am Balkongeländer, der Stecker sitzt, und auf dem Handy läuft zum ersten Mal eine Zahl hoch. 140 Watt. Wer das sieht, ist in diesem Augenblick kein Stromkunde mehr, sondern Stromerzeuger. Das ist ein gutes Gefühl, und es ist ein verdientes: Es ist die billigste, unkomplizierteste Art, sich an der Energiewende zu beteiligen — auch zur Miete, auch ohne eigenes Dach.
Genau an diesem guten Gefühl setzt eine unangenehme These an. Sie lautet: Wer ein Balkonkraftwerk installiert, verbraucht anschließend mehr Strom als vorher — und zwar nicht, weil er durch die Anlage Geld gespart hat und es wieder ausgibt, sondern weil er sich etwas erlaubt. Das Modul am Geländer wirkt wie ein moralisches Guthaben, von dem sich abbuchen lässt: Ich tue ja etwas, also darf der Trockner laufen. Und die These geht weiter: Dieser Mehrverbrauch kann größer sein als alles, was das Modul im Jahr erzeugt. Das Balkonkraftwerk wäre dann nicht bloß wirkungslos, sondern kontraproduktiv.
Das klingt nach einem Argument, das sich in zwei Sätzen erledigen lässt. Eine Anlage erzeugt im Jahr einige hundert Kilowattstunden — wer soll wegen eines Geländermoduls so viel mehr verbrauchen? Ich habe die Frage trotzdem durchgerechnet. Das Ergebnis ist unangenehmer als erwartet: Die These ist nicht widerlegt. Für ungünstige Konfigurationen ist sie plausibel — und sie ist mit den heute verfügbaren Daten nicht entscheidbar.
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Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de