Die Organisation ist entscheidend

Ich habe kürzlich einen Artikel („Soziologie des Massenmordes„) von Jörg Räwel gelesen, der mich sehr beschäftigt hat. Er beschreibt, wie Organisationsformen menschliches Verhalten nicht nur beeinflussen, sondern in extremen Fällen überhaupt erst ermöglichen – und zwar auf fatale Weise. Massenmorde, einschließlich des Holocausts, werden dort nicht primär als Werk einzelner „böser“ Personen dargestellt, sondern als Ergebnis bestimmter Organisationsstrukturen, die Reflexion und Kontrolle systematisch ausschalten. Das „Böse hat kein Gesicht“, wie Räwel schreibt. Die „Banalität des Bösen“, die Hannah Arendt bei Adolf Eichmann beobachtete, liegt nicht in der monströsen Persönlichkeit, sondern in der bürokratischen Normalität eines Rädchens im Getriebe.

Ich halte das im Großen und Ganzen für sehr plausibel. Es gibt einzelne Punkte, bei denen ich anders akzentuieren würde, aber der Kern trifft etwas Wesentliches. Bevor ich auf die praktischen Konsequenzen für unsere heutige Gesellschaft eingehe, möchte ich bei etwas Grundsätzlicherem ansetzen – bei meiner Definition von Intelligenz, die ich bereits in einem früheren Artikel auf diesem Blog entwickelt habe.

Weiterlesen

Die wahrscheinlichsten Szenarien, die zum Ende unserer derzeitigen Demokratie führen könnten

Welche Gefahren bedrohen unsere Demokratie? Welches sind die wahrscheinlichsten Szenarien, die zu ihrem Ende führen könnten? Dieser Artikel führt die bedrohlichsten Möglichkeiten auf und zeigt für jede einzelne, in welchen Schritten sie ablaufen könnte. Besorgniserregend dabei ist, dass bei einigen Szenarien die ersten Schritte bereits getan sind.

Weiterlesen

Genug ist genug: Warum das Urheberrecht jetzt reformiert werden muss

Das Urheberrecht ist ein Relikt aus alten Zeiten. Früher sollte es Kreative schützen, heute dient es vor allem großen Konzernen. Mit Schutzfristen von 70 Jahren nach dem Tod des Urhebers ist das Maß voll. Das ist zu lang und schadet mehr, als es nutzt. Werke sollten nach 20 Jahren für alle frei sein. Das ist fair und gut für die Kultur.

Weiterlesen

Kunstfreiheit in der Krise: Ein Alarmsignal für die Meinungsfreiheit in Deutschland

Die jüngsten Geschehnisse um die Documenta – eine der weltweit renommiertesten Kunstausstellungen – sind nicht nur besorgniserregend für die Kunstwelt, sondern auch ein kritisches Signal für den Zustand der Meinungs- und Kunstfreiheit in Deutschland. Die kollektiven Rücktritte von Simon Njami, Gong Yan, Kathrin Rhomberg und María Inés Rodríguez aus dem Findungsausschuss sind nicht nur symbolisch, sondern auch ein klares Zeichen dafür, dass die Freiheit der Kunst und Meinung bereits jetzt eingeschränkt ist. Hier das Rücktrittsschreiben im Original.

Weiterlesen

Die 50-Prozent-Illusion: Wie „seriöse“ Medien ihre schwindende Reichweite künstlich aufblähen

Was heißt eigentlich seriös? Gerne ist im politischen Diskurs von sogenannten seriösen Medien die Rede. Ganz nebenbei wird dabei allen Dingen, die nicht gemeint sind, die Seriosität einfach abgesprochen. Doch darum geht es mir hier weniger. Ich möchte einmal auf eine Praxis dieser sogenannten seriösen Qualitätsmedien hinweisen und einfach mal die Frage stellen, ob man Anwender dieser Praxis wirklich als seriös betrachten sollte. Es geht hier um keine Kleinigkeit. Es geht um die tatsächliche Relevanz eben dieser Leitmedien, um ihre wirtschaftliche Tragfähigkeit, um handfeste Werbeeinnahmen und um die Preise, die sie auf dem Markt diktieren.

Weiterlesen

Die Mitte, die keiner sehen will: Warum das BSW an den Rändern verortet wird – und warum das eine mediale Täuschung ist

Wenn über politische Parteien in Deutschland berichtet wird, dann wird meine Partei, das BSW, gerne an den Rändern verortet. Und tatsächlich ist das erstmal ein Bild, das in den Köpfen der Konsumenten erzeugt wird. Jeder, der so etwas liest, sollte sich erstmal fragen: Was macht es mit einem? Will man nicht automatisch zur Mitte gehören? Schon hier werden tiefste psychologische Instinkte angesprochen. Was an den Rändern ist, gilt als gefährlich, kann abstürzen, gehört nicht dazu – und so weiter. Die Behauptung, zur Mitte zu gehören, erzeugt im Kopf des durchschnittlichen Lesers also etwas Positives.

Doch wenn man sich die Skala anschaut, auf der das vermessen wird, erkennt man schnell, wie willkürlich das ist.

Weiterlesen

Demokratie im Schatten des Krieges: Wird unsere Stimme noch gehört?

In einer Zeit, in der Krieg und Konflikte die globale Bühne beherrschen, steht die Frage im Raum: Leidet unsere Demokratie unter dieser Last? Der Krieg in der Ukraine zeigt uns auch hier die Grenzen unserer vermeintlichen demokratischen Freiheiten. Es ist besorgniserregend, wie einseitig Informationen präsentiert werden und wie alternative Sichtweisen nicht nur ignoriert, sondern sogar strafrechtlich verfolgt werden können.

Weiterlesen

Faktenprüfung: Wenn Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist

Faktenprüfungen sollen Klarheit schaffen und die Wahrheit von der Lüge trennen. Doch was passiert, wenn wir vermeintlich selbstverständliche Fakten einer gnadenlosen Prüfung unterziehen? Die Antwort ist ernüchternd: Fakten sind oft nicht so eindeutig, wie es scheint, und Faktenprüfungen können beliebig werden.

Weiterlesen

Haltungsjournalismus – Ein Berufsstand verliert seine Aufgabe

Die politische Situation in Deutschland ist alarmierend: Bürgerrechte werden beschnitten, demokratische Verfahren zurückgefahren, die Aufrüstung forciert – alles unter dem Vorwand einer äußeren Bedrohung. Der Russe kommt. So zumindest die Erzählung. Parallel dazu wird Soziales abgebaut, werden Grundrechte relativiert und Meinungsvielfalt eingeschränkt. Kurzum: An nahezu allen politischen Stellschrauben wird gegen die Interessen der Bevölkerung gearbeitet – und das auf der Basis zweifelhafter oder gänzlich falscher Annahmen.

Man muss sich fragen: Wie konnte es so weit kommen?

Weiterlesen

Die Eskalation der Begriffe: Wie Sprachlenkung und „Concept Creep“ unsere Freiheit bedrohen

Gesellschaftliche Normen und Sprache verändern sich im Laufe der Zeit. Das ist ein natürlicher Prozess. Problematisch wird es jedoch, wenn sich der Aberglaube durchsetzt, man müsse Sprache nur künstlich von oben herab verändern, um damit die Gesellschaft umzuformen. Wissenschaftliche Studien belegen diese Annahme nicht. Und doch ist dieser Aberglaube heute so wirksam, dass er elementare Veränderungen in unserer Gesellschaft vorantreibt – und dabei Gefahr läuft, exakt das Gegenteil von dem zu erreichen, was vorgegeben wird.

Weiterlesen