Die Illusion vom heiligen Wert des Lebens
Beginnen wir mit einer Provokation, die unseren moralischen Kompass herausfordert: Hat das Leben an sich wirklich einen inhärenten, heiligen Wert? Wir bejahen das reflexartig. Doch ein nüchterner Blick auf die Realität offenbart eine andere Wahrheit. Die Natur agiert verschwenderisch. Leben ist für sie ein Massenprodukt, ein Wegwerfartikel. Milliarden von Mikroben und Lebewesen entstehen und vergehen im Bruchteil einer Sekunde. Die Natur kennt keine Moral. Der „hohe Wert des Lebens“ ist kein Naturgesetz, sondern ein Schutzvertrag derer, die leben. Der Wert des Lebens ist also eine menschliche Norm, ein moralischer Vertrag, kein Naturfakt. Wir sollten uns nicht darauf verlassen, dass eine Intelligenz, die nach unserer Definition nicht lebt, diesen Vertrag automatisch unterschreibt.