Die Eskalation der Begriffe: Wie Sprachlenkung und „Concept Creep“ unsere Freiheit bedrohen

Gesellschaftliche Normen und Sprache verändern sich im Laufe der Zeit. Das ist ein natürlicher Prozess. Problematisch wird es jedoch, wenn sich der Aberglaube durchsetzt, man müsse Sprache nur künstlich von oben herab verändern, um damit die Gesellschaft umzuformen. Wissenschaftliche Studien belegen diese Annahme nicht. Und doch ist dieser Aberglaube heute so wirksam, dass er elementare Veränderungen in unserer Gesellschaft vorantreibt – und dabei Gefahr läuft, exakt das Gegenteil von dem zu erreichen, was vorgegeben wird.

Es begann mit der gegenderten Sprache. Die Theorie dahinter: Wer die Sprache gendert, bringt die Gleichberechtigung voran. Abgesehen davon, dass eine rein strukturelle Benachteiligung nur eines einzigen Geschlechts ohnehin anzuzweifeln ist – vielmehr werden verschiedene Geschlechter in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen bevorzugt oder benachteiligt –, hat das Gendern sein Ziel verfehlt. Es hat Nachteile für Frauen nicht abgebaut. Im Gegenteil: Es hat eine massive Widerstandswelle in der Bevölkerung erzeugt, die letztlich konservativen bis hin zu extrem rechten Kräften massiven Zulauf beschert hat. Ein Effekt, der manchen Akteuren am linken Rand vielleicht gar nicht so unrecht ist.

Obwohl das Gendern an der Realität gescheitert war, suchte man sich neue Begriffe, um Verhaltensänderungen in der Bevölkerung zu erzwingen. Die Psychologie nennt dieses Phänomen „Concept Creep“ – Begriffsaufweichung. Konzepte, die sich einst auf schwere, klar definierte negative Erfahrungen bezogen, wurden systematisch ausgeweitet.

Diese Begriffsaufweichung ist zu einem lukrativen Geschäftsmodell für NGOs und aktivistische Organisationen verkommen. Wenn sich eine NGO gegen „Gewalt“ einsetzt, ist die Aussicht auf staatliche Fördergelder und private Spenden deutlich höher, wenn sie steigende Fallzahlen präsentieren kann. Wie macht man das? Man weitet schlicht die Definition von Gewalt aus. Auf einmal zählen alltägliche interaktionelle Reibungen, ungeschickte Formulierungen oder virtuelle Kommentare als vollwertige Gewalttaten.

Das gleiche Prinzip gilt für sexuelle Belästigung. Wenn objektivierbare Straftaten auf das bloße subjektive Empfinden oder einen vermeintlich falschen Blick ausgeweitet werden, fließen die Fördergelder an jene, die vorgeben, diese omnipräsente Belästigung zu bekämpfen. Wir sehen diese Ausweitung bei Begriffen wie Hass und Hetze, bei denen harte Verbrechen wie Vergewaltigung mit virtuellen Verfehlungen in einen Topf geworfen werden. Und wir sehen es bei der sogenannten Transfeindlichkeit: Heute wird bereits die einfache Benennung biologischer Fakten oder das Fehlen einer LGBTQ-Fahne als feindlicher Akt der Aggression gewertet. In all diesen Bereichen wurden die Definitionen so extrem überdehnt, dass die Begriffe fast bedeutungslos geworden sind.

Wenn in Umfragen fast 100 Prozent der Befragten angeben müssten, belästigt worden zu sein, weil die Definition schon das Alltägliche erfasst, dann läuft etwas fundamental falsch. Dass die Zustimmungswerte in der Realität geringer ausfallen, liegt schlicht am gesunden Menschenverstand der Bürger, die sich weigern, sich wegen Kleinigkeiten als Opfer zu definieren.

Die Folgen für unsere Gesellschaft sind fatal. Wenn der klassische, physische Vergewaltiger begrifflich mit jemandem gleichgesetzt wird, der online ein falsches Bild teilt oder eine plumpe Bemerkung macht, dann wird das langfristig dazu führen, dass die Gesellschaft echte Verbrechen nicht mehr entsprechend ausgrenzt. Echte Straftaten verschwinden in der Masse der Trivialitäten. Worte, die durch politische Umdefinition ihre Schwere und Bedeutung verloren haben, werden diese nicht auf staatlichen Knopfdruck hin zurückgewinnen.

Gleichzeitig engt diese Entwicklung unsere Freiheit immer weiter ein. Auf einmal kann alles sanktioniert werden. Die falsche Anrede mit dem falschen Geschlecht soll am besten sofort bestraft werden. Das Klima der Einschüchterung greift um sich. Dinge, die vor 30 Jahren noch als wissenschaftlicher Konsens galten, sind heute faktisch verboten und werden medial wie sozial geächtet.

Diese Ideologie greift mittlerweile offen die Wissenschaftsfreiheit an. Wenn immer mehr Bereiche als unsagbar deklariert werden, sind sie auch nicht mehr erforschbar. NGOs gehen heute massiv gegen evidenzbasierte Forschung vor, wenn diese nicht ihr Weltbild bestätigt. Ein erschreckendes Beispiel hierfür liefert das US-amerikanische Southern Poverty Law Center (SPLC). Eine Organisation, die eigentlich gegen Rassismus kämpfen soll, steht in der Kritik, extremistische Gruppen finanziert zu haben, um das eigene Geschäft mit der Angst am Laufen zu halten. Doch es geht noch weiter: Das SPLC nutzt seinen Einfluss, um seriöse wissenschaftliche Organisationen wie die Society for Evidence based Gender Medicine (SEGM) grundlos als „Hassgruppe“ zu diffamieren. Der einzige „Fehler“ der SEGM? Sie fordert evidenzbasierte Studien statt reiner Ideologie, wenn es um irreversible medizinische Eingriffe bei Minderjährigen geht.

Wer für Fakten eintritt, wird persönlich ruiniert. Wenn Universitäten und Wissenschaftler sich diesem Druck beugen, verkümmert der Raum des rationalen Diskurses. Wenn wir nicht mehr frei debattieren und forschen können, entwickeln wir uns als Gesellschaft nicht weiter. Meine These lautet daher: Die Menschheit hat sich in den letzten 30 Jahren technisch zwar enorm weiterentwickelt, kulturell und sozial befinden wir uns jedoch auf dem Rückmarsch. Der Missbrauch der Sprache und die Eskalation der Begriffe sind ein wesentlicher Teil dieses Problems. Wir müssen als Gesellschaft wieder den Mut aufbringen, den Raum für offene und rationale Diskussionen zu verteidigen, anstatt uns dem Diktat künstlich umdefinierter Begriffe zu beugen.

Dieser Artikel erschien erstmals am 29.04.2026. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von ❤ Monika 💚 💚 Schröder ❤ auf Pixabay.

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Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de