Es gibt eine Zahl, über die in der Klimadebatte niemand sprechen will. Sie ist unbestritten, sie steht in einer der renommiertesten Fachzeitschriften der Welt, und sie betrifft die weibliche Hälfte der Bevölkerung. Genau deshalb schweigen alle.
Boris Kingma und Wouter van Marken Lichtenbelt haben in Nature Climate Change gezeigt, dass die Normen für das Raumklima auf einem Modell aus den sechziger Jahren beruhen, das vom Stoffwechsel eines vierzigjährigen Mannes mit siebzig Kilogramm ausgeht und den weiblichen Grundumsatz um bis zu 35 Prozent überschätzt. Im Klartext: Frauen erzeugen weniger Körperwärme und brauchen deshalb mehr Heizung. Die Wohlfühltemperatur liegt in vielen Büros bei 21 Grad, bei vielen Frauen erst bei 24.
Drei Grad. Ab hier wird es unangenehm.
Pro Grad weniger spart ein Haushalt bis zu sechs Prozent Heizenergie, das verbreitet jede Verbraucherzentrale. Ich rechne betont zurückhaltend mit zwei Grad. Ein deutscher Haushalt verbraucht rund zwölftausend Kilowattstunden für Raumwärme. Zwei Grad sind zwölf Prozent, also 1.440 Kilowattstunden und etwa 170 Euro im Jahr. Für nichts als eine Temperaturempfindung.
Mal 41 Millionen Haushalte: 59 Milliarden Kilowattstunden. Knapp zwölf Millionen Tonnen CO₂. Jahr für Jahr, ohne Debatte, ohne Volksentscheid. Mehr als ein Vielfaches des gesamten innerdeutschen Flugverkehrs, so viel wie sechs Millionen Autos, und sieben Milliarden Euro, die nicht in Dämmung und nicht in Netze fließen, sondern zum Fenster hinaus. Europaweit über vierzig Millionen Tonnen. Rechnet man Nordamerika, Russland, Nordchina, Japan und Korea hinzu, steht am Ende eine dreistellige Millionenzahl, ungefähr ein Viertel des deutschen Jahresausstoßes. Verursacht nicht von Konzernen, nicht von Kohlekraftwerken, sondern von einem Drehknopf an der Wand.
Man streitet über Tempolimit, Kurzstreckenflüge und acht Euro fürs Schnitzel, während die Hälfte der Bevölkerung still und unbehelligt die Heizung aufdreht. Kein Thermostatführerschein, kein Wärmeaufschlag von zwölf Prozent auf die Gasrechnung weiblicher Haushalte, keine Debatte über die strukturelle Klimaschädlichkeit eines täglichen, messbaren, flächendeckenden Verhaltens. Stattdessen wird erwogen, Büros wärmer zu stellen. Man will das Problem zur Norm machen.
Und genau das habe ich hier gerade getan.
Jede Zahl stimmt, trotzdem ist der Text eine Fälschung. Erstens habe ich verschwiegen, dass der Effekt in heißen Regionen kippt, weil eine höhere Wohlfühltemperatur dort eine schwächer eingestellte Klimaanlage bedeutet. Darauf lief die Originalstudie sogar hinaus, auf eine Einsparung. Zweitens habe ich die Gegenseite der Bilanz weggelassen: Derselbe niedrigere Grundumsatz bedeutet weniger Kalorien, weniger Fleisch, weniger Emissionen. So entstehen solche Artikel. Nicht durch Lügen, sondern durch Auswahl.
Umgekehrt läuft dieselbe Rechnung seit Jahren, und dort ist sie ernst gemeint. Eine schwedische Studie: Männer verursachen bei praktisch gleichen Ausgaben sechzehn Prozent mehr Treibhausgase. Eine französische: 26 Prozent, nach Bereinigung um Einkommen und Bildung noch achtzehn. Eine britische: 41 Prozent allein beim Essen. Dazu Petromaskulinität, dazu Schlagzeilen über Männer, deren Appetit den Planeten ruiniert, und schließlich PETA Deutschland mit der Forderung nach einer Fleischsteuer von 41 Prozent für Männer sowie einem Sex- und Fortpflanzungsverbot für alle, die Fleisch essen.
Diese Zahlen sind exakt so halb wie meine. Männer sind größer, schwerer, muskulöser und brauchen entsprechend mehr Kalorien. Das ist keine Konsumentscheidung, das ist Thermodynamik. Sie arbeiten häufiger im Bau, im Transport, in der Industrie, pendeln weiter, fahren Schicht zu Zeiten, zu denen kein Zug fährt. Wer den Spritverbrauch eines Monteurs im Außendienst als Lebensstil verbucht, hat nicht gerechnet, sondern geurteilt. Von 26 Prozent blieben achtzehn, sobald man zwei Faktoren herausrechnete. Rechnen Sie Körpermasse, Arbeitsschwere und Pendeldistanz dazu, und sehen Sie zu, was übrig bleibt. Niemand tut es, weil dann die Schlagzeile weg wäre.
Es ist am Ende derselbe Befund. Der höhere Stoffwechsel, der Männer weniger heizen lässt, lässt sie mehr essen. Der niedrigere, der Frauen mehr heizen lässt, lässt sie weniger essen. Eine einzige physiologische Tatsache, aus der sich wahlweise zwei sich widersprechende Anklagen bauen lassen. Wer beide glaubt, glaubt an nichts außer an die Anklage.
Solche Texte sind kein Journalismus, sondern eine Lizenz zur Verachtung mit Fußnote. Sie nehmen ein Geburtsmerkmal, multiplizieren es mit vierzig Millionen und liefern das Ergebnis als Urteil aus. Sie sparen kein Gramm CO₂, aber sie liefern zuverlässig Klicks und Lagerbildung. Für jeden, der an der Klimapolitik nichts ändern will, sind sie ein Geschenk: Man streitet jahrelang über den Grill des Nachbarn und das Thermostat der Kollegin, und an der ungedämmten Fassade geht derweil weiter die Wärme in den Himmel.
Ich will keine Fleischsteuer für Männer und keinen Wärmeaufschlag für Frauen. Ich möchte, dass die Leute, die solche Rechnungen aufmachen, einmal sehen, wie das aussieht, wenn es gegen sie läuft. Deshalb steht oben, was oben steht.
Wer bis hierhin gelesen hat, weiß das ohnehin. Die anderen kommentieren längst.
Dieser Artikel wurde erstmals am 22.10.2026 veröffentlicht. Er wurde mit KI-Unterstützung erstellt. Das Beitragsbild ist ein Beispielbild von NoName_13 auf Pixabay.
Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de