Schreckliche Bilder und Nachrichten erreichen uns ununterbrochen aus den von Israel besetzten Gebieten und dem Gazastreifen. Trotz weitreichender Zensurbemühungen in den verschiedensten Medien – sowohl in Israel als auch in den verbündeten Ländern – ist das Ausmaß des Leids kaum noch zu ertragen. Was von dort an Informationen durchdringt, zeigt: Vor nichts und niemandem scheinen die Mörderbanden Halt zu machen. Männer, Frauen, Kinder, alte Menschen und Babys – sie alle werden Opfer einer entfesselten Gewalt. Die Details sind teilweise so grausig, dass man sie kaum wiedergeben möchte. Mittlerweile ist es weithin anerkannt, dass es sich hierbei um einen Völkermord handelt.
Wie kann es dazu kommen, dass ein Staat und ein Großteil seiner Bevölkerung solche mörderischen Maßnahmen dulden, mittragen, zum Teil sogar aktiv fordern?
Ich habe mich gefragt: Was passiert eigentlich, wenn ein Land von vornherein suggeriert bekommt, dass jede Handlung verziehen wird? Ein Land, dessen Vorfahren Opfer des schrecklichsten Verbrechens der Menschheitsgeschichte wurden. Was passiert, wenn wir den Menschen dort sagen: „Euer Land ist etwas Besonderes. Ihr seid besonders geschützt. Ihr bleibt juristisch, politisch und wirtschaftlich immer straffrei, weil ihr die Nachkommen der Opfer seid“?
Die wissenschaftliche Antwort auf diese psychologische Dynamik ist laut einer ausführlichen KI-Analyse erschreckend. Die jahrzehntelange Straffreiheit (Impunität) und das Ausbleiben jeglicher sozialer Ächtung für völkerrechtliche Verfehlungen führen zu einer tiefgreifenden psychologischen Deformierung einer Gesellschaft und einer absoluten Enthemmung staatlichen Handelns. In funktionierenden Gesellschaften erzwingt soziale Ächtung die Einhaltung von Normen und Gesetzen. Fällt diese Ächtung systematisch weg, weil ein Staat historisch als moralisch unantastbar gilt, erodiert die normative Kraft von Menschenrechten vollständig. Die Gesellschaft verfällt in einen Zustand, in dem die Grenzen zwischen zivilisiertem Verhalten und Barbarei schlichtweg verschwimmen.
Um solche grausamen Taten ohne unerträgliche Schuldgefühle ausführen zu können, bedienen sich Tätergesellschaften unbewusst komplexer psychologischer Abwehrmechanismen, der sogenannten moralischen Entkopplung. Die fatalste Strategie dabei ist die radikale Dehumanisierung: Den Opfern wird der moralische Wert gänzlich abgesprochen, sie werden auf eine reine Bedrohungsvariable reduziert. Das Leben und die Unversehrtheit der Fremdgruppe besitzen dann keinen messbaren Wert mehr im ethischen Koordinatensystem der Tätergesellschaft.
Verstärkt wird dies durch ein tiefgreifendes psychologisches Phänomen: den Zyklus vom Opfer zum Täter, ausgelöst durch das sogenannte „gewählte Trauma“ („Chosen Trauma“). Wenn ein massives historisches Trauma – wie der Holocaust – in Krisenzeiten reaktiviert wird, fühlt sich die Gesellschaft so, als fände der historische Kampf um das nackte Überleben im Hier und Jetzt erneut statt. Dies erzeugt eine gefährliche wettbewerbsorientierte Viktimisierung, die in der Illusion einer absoluten Unschuld und moralischen Überlegenheit mündet. Die Gesellschaft wird psychologisch nahezu blind dafür, sich selbst als potenziellen Täter oder Verursacher von Leid zu erkennen. Selbst extremste Handlungen wie Flächenbombardements werden reflexhaft als reine „defensive Aggression“ umgedeutet und a priori moralisch gerechtfertigt.
Es ist im Grunde gar nicht so unterschiedlich zum Verhalten eines Kindes: Wenn man ihm alles durchgehen lässt und ihm nie Grenzen aufzeigt, dann wird es maßlos handeln. Auf geopolitischer Ebene nennt sich dieses „Durchgehenlassen“ die internationale „Schonhaltung“. Aus einem tiefen Gefühl der historischen Schuld und Empathie heraus nehmen westliche Staaten schwerwiegende Verfehlungen eines traumatisierten Akteurs billigend in Kauf oder drängen sie aus dem Blickfeld.
Wer diese Zusammenhänge schonungslos benennt, wird oft reflexartig mit dem Vorwurf des Antisemitismus konfrontiert. Doch die Wissenschaft zeigt, dass genau dieser Mechanismus Teil der politischen Abschirmung ist: Jegliche scharfe Kritik an der militärischen und zivilen Administration des Staates läuft Gefahr, im Lichte des historischen Traumas abgewehrt und als Fortsetzung der ursprünglichen antisemitischen Verfolgung umgedeutet zu werden.
Tatsächlich fungiert die westliche, und insbesondere die deutsche bedingungslose Hegemonialunterstützung als geopolitischer Brandbeschleuniger. Wenn massive zivile Opferzahlen im Zehntausenderbereich und eklatante Missachtungen des Völkerrechts nicht zu einem Stopp von Waffenlieferungen führen, wird der Führung und der Bevölkerung signalisiert: Das eigene Verhalten genießt den impliziten Segen der mächtigsten Nationen. Das permanente Sicherheitsnetz dieser Allianz entfernt jeden internen und externen Druck zur Limitierung militärischer Aktionen vollständig.
Das bedeutet im Umkehrschluss: Unsere Staaten sind nicht nur durch die politische und mediale Rückendeckung sowie die Waffenlieferungen ursächlich mitverantwortlich für den Völkermord. Wir haben außerdem an dem Aufbau der psychologischen Grundhaltung in der israelischen Tätergesellschaft massiv mitgewirkt. Wir haben ein Vakuum, einen Raum der totalen moralischen Impunität geschaffen.
Daraus ergibt sich zwingend, dass wir unser Verhalten sofort ändern müssen. Handlungen müssen, wenn sie gegen internationales Recht verstoßen, Konsequenzen haben. Punkt. Das Beste ist immer, vor der eigenen Haustür anzufangen: Wenn unsere westlichen Administrationen an der Unterstützung eines Angriffskrieges, eines Völkermordes oder anderer Völkerrechtsverbrechen beteiligt sind, sind wir gut beraten, ihnen exakt jetzt Einhalt zu gebieten. Denn auch für sie gilt: Wenn man ihnen nicht irgendwann harte Grenzen aufzeigt, dann werden sie noch mörderischer.
Dieser Artikel wurde erstmals am 27.03.2026 veröffentlicht. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von Sarah Lötscher auf Pixabay.
Zur Vorbereitung dieses Artikels wurde eine KI-Recherche durchgeführt, die hier zur Verfügung steht.
Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de