Die Domalde-Doktrin: Ein pragmatischer Ansatz zur modernen Krisenbewältigung?

Manchmal blickt man auf die politische Landschaft und sehnt sich nach den klaren, schnörkellosen Lösungsansätzen der Vorzeit. Nehmen wir König Domalde von Schweden. Die Inflation der damaligen Zeit hieß schlicht „Missernte“. Was tat der germanische Untertan? Er fackelte nicht lange mit Untersuchungsausschüssen oder zähen Debatten.

  • Keine Ernte? Im ersten Jahr mussten die Ochsen dran glauben.
  • Immer noch keine Ernte? Im zweiten Jahr gab es ein paar Opfer aus dem Fußvolk, vermutlich die unbeliebtesten Steuereintreiber.
  • Im dritten Jahr dämmerte den Häuptlingen schließlich die unumstößliche Wahrheit: Der Fisch stinkt vom Kopf her. Also wurde König Domalde kurzerhand selbst den Göttern geopfert. Zack. Problem gelöst, die nächste Ernte war ein Träumchen. Das nennt man noch direkte Verantwortungsübernahme durch die Führungsetage!

Wenn man diesen kulturhistorischen Ansatz auf heute überträgt, eröffnen sich geradezu faszinierende Perspektiven. Die Bahn hat schon wieder Verspätung, weil sie völlig abgerockt ist? Das Handynetz auf dem Land ist ein reines Funkloch? Die Wirtschaft geht den Bach herunter? Verstrickt in Völkermord und Krieg, weil Waffen an jedes Arschloch, das eine Kreditkarte und eine Postadresse hat, verkauft werden? Die Zustimmungswerte der Regierung liegen zuverlässig und dauerhaft unter den Werten der Pestizidrückstände in den Böden? Das Volk verarmt, die Infrastruktur verrottet, die Schulden steigen immer weiter? Früher hätte man messerscharf analysiert: Die Regierung hat offensichtlich das Wohlwollen der Götter verspielt. Da hätte man den Chef unkompliziert an die Götter übergeben.

Keine zähen Oppositionsdebatten, keine hitzigen Wahlkämpfe oder vorgezogene Neuwahlen wie noch im Februar 2025 – bei denen sowieso niemand weiß, ob sie korrekt ausgezählt wurden – einfach ein klarer, germanischer Cut.

Aber seien wir realistisch: Die Wiedereinführung des Kanzleropfers würde heute gnadenlos scheitern. Und zwar nicht am Mitleid der Wähler, sondern an der deutschen Bürokratie.

Stell dir nur den Verwaltungsaufwand vor! Bevor auch nur ansatzweise an ein Opferfest zu denken ist, bräuchte man eine Baugenehmigung für den Altar – selbstverständlich inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung, Feinstaubmessung für das Opferfeuer und Lärmschutzgutachten für die heidnischen Gesänge ab 22 Uhr. Das rituell genutzte Schwert müsste zwingend die DIN-Norm für ergonomisches Arbeiten erfüllen. Die Berufsgenossenschaft würde das Ganze ohnehin sofort abblasen, weil am Opferstein keine vorschriftsmäßigen Sicherheitsschuhe getragen werden. Und wer füllt eigentlich das Formular 38-C (Antrag auf rituelle Amtsenthebung durch Odin, dreifache Ausfertigung) aus?

Am Ende würde der Termin für das große Opfer ohnehin viermal verschoben, weil der zuständige Hohepriester im Stau steht oder die europaweite Ausschreibung für das Feuerholz fehlerhaft war.

Wir sehen also: Die germanische Methode besticht zwar durch ihre rustikale Einfachheit, ist aber in unserem DIN-zertifizierten Zeitalter schlichtweg nicht genehmigungsfähig. Da bleiben wir also zähneknirchend bei unserem angeblich demokratischen System. Das dauert zwar auch ewig, aber am Ende muss wenigstens niemand den Marktplatz von Blutflecken reinigen – wofür es in den heutigen kommunalen Haushalten ohnehin kein Budget gäbe. Und die Blutflecken auf den Marktplätzen oder in den Schulen anderer Länder unterstehen ja nicht unserer Reinigungsmittel-Haushaltsverordnung.

Dieser satirische Artikel erschien erstmals am 22.03.2026. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von Ignaz Wrobel auf Pixabay.

Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de