Syrien ist zu einem Symbol westlicher Doppelmoral geworden. Was uns als humanitäre Mission verkauft wurde, entpuppte sich als geopolitisches Schachspiel mit verheerenden Folgen für Millionen Menschen. Noch erschütternder: Die USA bewaffneten Gruppen, die schwerste Kriegsverbrechen begingen – einschließlich der Enthauptung von Kindern.
2012 startete die CIA unter Präsident Obama das Geheimprogramm „Timber Sycamore“. Offiziell sollte es „gemäßigte Rebellen“ gegen Assad unterstützen. Die Realität war eine andere: Mindestens 50 Rebellengruppen erhielten Waffen – Kalaschnikows, Panzerabwehrraketen, Nachtsichtgeräte. Das Problem: Viele dieser Waffen landeten bei Extremisten.
Besonders schockierend ist der Fall der Nour al-Din al-Zenki-Bewegung. Im Juli 2016 enthaupteten Kämpfer dieser Gruppe einen etwa 12-jährigen Jungen vor laufender Kamera. Das Video zeigt, wie die Kämpfer das Kind zunächst verhöhnen, bevor sie es hinrichten. Diese Gruppe hatte zuvor US-Unterstützung erhalten. Als Donald Trump 2017 dieses Video gezeigt wurde, war er so schockiert, dass er wissen wollte, warum die USA diese Extremisten unterstützt hatten. Die Geheimdienstbeamten konnten keine befriedigende Antwort geben – und Trump beendete daraufhin das Timber-Sycamore-Programm.
Die Verbindung zwischen US-Waffen und Kriegsverbrechen ist durch zahlreiche Fälle dokumentiert:
Al-Nusra-Front (Al-Qaidas syrischer Ableger) führte systematisch Massenhinrichtungen durch. Nach dem Sturm auf die Militärbaracke von Saraqeb wurden gefangene syrische Soldaten als „Assad-Hunde“ beschimpft und summiert hingerichtet. Die UN stufte dies als wahrscheinliche Kriegsverbrechen ein. Diese Gruppe erhielt wiederholt US-Waffen durch „gemäßigte“ Rebellengruppen, die mit ihr kooperierten oder Waffen weitergaben.
Die Jaysh al-Islam (Armee des Islam), eine der größten von den USA unterstützten Gruppen, sperrte hunderte Zivilisten in Käfige und verwendete sie als menschliche Schutzschilde. Diese Verbrechen erreichten laut UN das Niveau von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
ISIS, der sogenannte Hauptfeind, erhielt ebenfalls US-Waffen – entweder durch Eroberung oder Schwarzmarkt. In einem ISIS-Versteck in Al Hasakah fand man sogar administrative Unterlagen, die die US-Finanzierung von Timber Sycamore nachwiesen. ISIS war berüchtigt für ihre systematischen Enthauptungen und zwang Kinder, Videos von Massenhinrichtungen anzuschauen, um sie gegen Gewalt abzustumpfen.
Das Timber-Sycamore-Programm hatte fatale Konstruktionsfehler: Es gab keine wirksamen Kontrollmechanismen, um sicherzustellen, dass die Waffen tatsächlich bei „Gemäßigten“ blieben. Wertvollere Waffen wie TOW-Panzerabwehrraketen waren besonders anfällig für Diebstahl und Schwarzmarktverkäufe.
Ein CIA-Beamter gab zu, dass das Programm „wie ein riesiger Waffenbasar“ funktionierte, bei dem unklar war, wer letztendlich die Waffen erhielt. Selbst Obama-Regierungsbeamte warnten intern vor dieser Gefahr. Doch das Programm lief weiter, bis 2017 – nachdem es über eine Milliarde Dollar verschlungen hatte.
Besonders perfide: Während Syrien unter Sanktionen litt, erhielt 2020 die amerikanische Firma Delta Crescent eine Ausnahmegenehmigung. Ihr Auftrag? Ölfelder in Nordostsyrien zu „beraten“ – kontrolliert von US-unterstützten kurdischen Kräften. Pro exportiertem Barrel kassierte Delta Crescent einen Dollar.
Ein anonymer US-Beamter rechtfertigte dies zynisch: Das Öl gehöre „dem Volk, nicht Assad“. Dabei gehört das Öl völkerrechtlich Syrien – unabhängig davon, wer gerade regiert. Die USA trainierten sogar eigens eine Truppe zum Schutz dieser Felder. Von humanitären Zielen keine Spur mehr.
Die Zahlen sind erschütternd: Bis zu 656.000 Tote, 13 Millionen Vertriebene – über die Hälfte der Bevölkerung. Die Wirtschaft brach um 53% ein, Wiederaufbaukosten: 216 Milliarden Dollar. 90% der Syrer leben heute in Armut. Der syrische Lira verlor 99,7% seines Wertes gegenüber dem Dollar.
Die westliche Intervention hat die Lage nicht verbessert, sondern massiv verschlimmert. Statt gemäßigter Demokraten sitzen heute islamistische Kräfte mit Al-Qaida-Wurzeln an der Macht: Hayat Tahrir al-Sham unter Ahmed al-Sharaa, vormals enger Al-Qaida-Verbündeter.
Während Russland – bei all seinen Kriegsverbrechen – zumindest auf Einladung der syrischen Regierung handelte, hatte der Westen keinerlei völkerrechtliche Legitimation. Kein UN-Mandat, keine Zustimmung der Regierung, stattdessen verdeckte Regime-Change-Operationen.
Die Türkei, NATO-Partner, unterstützte nachweislich extremistische Gruppen und diente als Haupttor für ausländische Dschihadisten. Israel flog über 600 Angriffe gegen Syrien – durchschnittlich zwei pro Tag nach Assads Sturz.
Die offizielle westliche Begründung – Menschenrechte, Terrorbekämpfung, Demokratieförderung – kontrastiert brutal mit der Realität: Die USA bewaffneten wissentlich oder fahrlässig Gruppen, die:
- Kinder enthaupteten (Nour al-Din al-Zenki)
- Gefangene massenweise hinrichteten (Al-Nusra)
- Zivilisten als menschliche Schutzschilde missbrauchten (Jaysh al-Islam)
- Systematisch Frauen versklavten (ISIS, die US-Waffen erbeutete)
Besonders bitter: Während man Assad vorwarf, sein Volk zu terrorisieren, bewaffnete der Westen Gruppen, die vergleichbare oder schlimmere Gräueltaten begingen. Der Unterschied? Assad war ein geopolitischer Gegner, die Rebellen sollten ihn stürzen.
Diese Katastrophe war nicht unvermeidbar. Kritiker innerhalb der Obama-Administration warnten von Anfang an vor den Gefahren. Geheimdienstanalysten wiesen darauf hin, dass „gemäßigte“ Rebellengruppen eng mit Extremisten zusammenarbeiteten oder Waffen an sie verloren.
Das Timber-Sycamore-Programm wurde ohne ausreichende Kontrollmechanismen konzipiert. Es gab keine wirksamen Überprüfungen, ob die Waffen tatsächlich wie vorgesehen verwendet wurden. Dies war nicht bloße Inkompetenz – es war bewusste Inkaufnahme dieser Risiken für das übergeordnete Ziel des Regime-Change.
Syrien zeigt exemplarisch das Versagen westlicher Interventionspolitik. Hinter humanitärer Rhetorik verbargen sich knallharte Machtinteressen. Die Leidtragenden sind Millionen Syrer, die ihre Heimat, ihre Familien und ihre Zukunft verloren.
Die Tatsache, dass die USA Gruppen bewaffneten, die Kinder enthaupteten, sollte jeden zum Nachdenken bringen, der noch an die Aufrichtigkeit „humanitärer Interventionen“ glaubt. Doch die Verantwortlichen wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Kein CIA-Beamter, kein Regierungsvertreter musste sich vor Gericht verantworten.
Solange wirtschaftliche und geopolitische Interessen über Menschenleben gestellt werden, bleiben solche „humanitären Interventionen“ das, was sie wirklich sind: Imperialismus im demokratischen Gewand. Die syrische Tragödie sollte eine Warnung sein – wird aber vermutlich als Blaupause dienen.
Die Frage bleibt: Wenn das Bewaffnen von Kindermördern keine Konsequenzen hat – was dann?
Dieser Artikel erschien erstmals am 11.01.2026. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von Koen One Stop Map auf Pixabay.
Zur Vorbereitung dieses Artikels wurden zwei KI Recherchen durchgeführt, die Ergebnisse lassen sich hier herunterladen.
Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de