Ein Verbot fossiler Energieträger ab 2030 hätte katastrophale Auswirkungen

Die Debatte um den Klimawandel und der Wille, fossile Energieträger zu reduzieren, hat in den letzten Jahren an Fahrt aufgenommen. Einige Stimmen, zum Beispiel von Die Letzte Generation fordern ein vollständiges Verbot fossiler Energieträger in Deutschland ab dem Jahr 2030. Aber was würde ein solch radikaler Schritt für das Land bedeuten? Dieser Artikel untersucht die potenziellen Auswirkungen auf verschiedene Sektoren, von der Energieversorgung bis zur Landwirtschaft, mit einem besonderen Fokus auf die sozialen Konsequenzen.

Die Gruppe fordert, dass Deutschland von 2030 an auf fossile Brennstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas verzichtet.

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Ein Verbot fossiler Energieträger im Jahr 2030 würde Deutschland vor erhebliche Herausforderungen stellen. Obwohl das Land bereits Fortschritte bei der Umstellung auf erneuerbare Energien gemacht hat, stammen immer noch mehr als 30 % des Stroms aus fossilen Quellen. Ein Verbot im Jahr 2030 würde zwar 6 Jahre Zeit für den Übergang bieten, aber dennoch wären Mangelerscheinungen in der Energieversorgung wahrscheinlich. Auch wegen der fehlenden Möglichkeiten der Energiespeicherung. Fossile Brennstoffe haben den Vorteil, dass sie Energie speichern können, die dann bei Bedarf freigesetzt wird. Dies ist besonders im Winter bei sogenannten Dunkelflauten (kein Wind, keine Sonne) kritisch. Ohne ausreichende Speicherkapazitäten wird es zu massiven es zu Versorgungsengpässen kommen. Technisch ist derzeit keine Lösung dieses Problems in Sicht.

Darüber hinaus sind die derzeitigen Leitungskapazitäten nicht ausreichend, um alle bisher mit fossilen Energien betriebenen Verbraucher zu versorgen. Ein Ausbau des Netzes ist zwar in Planung, aber es ist unklar, ob die Kapazitäten in den nächsten sechs Jahren ausreichend erweitert werden können. Dies stellt eine zusätzliche Herausforderung dar.

Ein Verbot würde die deutsche Wirtschaft stark beeinträchtigen. Energieintensive Industrien kämen zum erliegen, was zu Arbeitsplatzverlusten und einer Rezession führen würde. Darüber hinaus werden fossile Brennstoffe nicht nur für Energie, sondern auch als Rohstoffe in der chemischen Industrie verwendet.

Der LKW-Verkehr ist ein wichtiger Bestandteil der Warenlogistik in Deutschland und weitgehend von Diesel abhängig. Ein Verbot fossiler Energieträger würde bedeuten, dass alternative Antriebsmethoden wie Elektro- oder Wasserstoffantrieb in großem Maßstab eingeführt werden müssten. Dies würde nicht nur erhebliche Investitionen in die Infrastruktur erfordern, sondern auch die Frage aufwerfen, ob solche Alternativen bis 2030 in ausreichender Menge verfügbar sein könnten. Darüber hinaus müsste bis dahin auch entsprechende Ladeinfrastruktur geschaffen werden.

Die Schifffahrt ist ebenfalls stark von fossilen Brennstoffen abhängig. Zwar existieren für die Binnenschifffahrt bereits einige elektrische und wasserstoffbetriebene Lösungen, diese sind jedoch bis heute nur wenig verbreitet. Bis 2030 ist eine 100% Verbreitung nicht realistisch erreichbar. Die Umstellung in der Hochseeschifffahrt ist noch komplexer und stellt eine enorme Herausforderung dar. Die Entwicklung alternativer Antriebsmethoden und die Anpassung der bestehenden Flotte würden Zeit und erhebliche finanzielle Mittel erfordern.

Der Flugverkehr ist einer der am schwierigsten zu transformierenden Sektoren, da es derzeit keine praktikablen Alternativen zu fossilen Treibstoffen für Langstreckenflüge gibt. Ein Verbot würde wahrscheinlich den Flugverkehr weitgehend verunmöglichen, Deutschland wäre als Drehkreuz für internationale Flüge nicht mehr verfügbar.

Der Bahnverkehr in Deutschland ist bereits zu einem großen Teil elektrifiziert, aber es gibt immer noch Strecken und Züge, die mit Diesel betrieben werden. Ein Verbot fossiler Energieträger würde den Druck erhöhen, diese Strecken schnellstmöglich zu elektrifizieren, es erscheint unwahrscheinlich, dass dies in Anbetracht des bereits vorhandenen massiven Investitionsstaus in das deutsche Bahnnetz in 6 Jahren möglich wäre.

Die Landwirtschaft ist in hohem Maße von fossilen Brennstoffen abhängig, sei es für den Betrieb von Maschinen oder den Transport von Produkten. Auch zur Produktion von Düngemitteln wird fossile Energie benötigt. Ein Verbot könnte die landwirtschaftliche Produktion stark beeinträchtigen. Dies würde wahrscheinlich zu einer Nahrungsmittelknappheit und im schlimmsten Fall sogar zu Hungersnöten führen. Es ist wichtig zu betonen, dass die Auswirkungen einer solchen Nahrungsmittelknappheit vor allem die einkommensschwachen Bevölkerungsgruppen treffen würden, die sich keine teureren Alternativen leisten könnten.

Das Heizen von Wohn- und Gewerbegebäuden ist in Deutschland vor allem in den Wintermonaten ein wesentlicher Energieverbraucher. Derzeit werden viele Gebäude noch mit fossilen Energieträgern wie Erdgas und Heizöl beheizt.

Erdgas ist derzeit der Hauptenergieträger für die Beheizung von Gebäuden in Deutschland. Ein Verbot fossiler Energieträger würde erhebliche Investitionen in alternative Heizsysteme wie Wärmepumpen oder Fernwärme erfordern. Wie teuer und komplex das ist ahnen die Betroffenen spätestens, seit das Gebäudeenergiegesetz auf den Weg gebracht wurde.

Heizöl wird vor allem in älteren Gebäuden und in ländlichen Gebieten verwendet. Die Umstellung auf alternative Heizmethoden wäre hier besonders herausfordernd und kostenintensiv.

Die Umstellung der Heizsysteme auf erneuerbare Energien würde nicht nur erhebliche finanzielle Investitionen erfordern, sondern auch Zeit für die Implementierung und Anpassung der bestehenden Infrastrukturen. Zudem könnten die Kosten für die Umstellung für einkommensschwache Haushalte eine zusätzliche Belastung darstellen.

Es ist damit zu rechnen, dass bei einem Verbot des Einsatzes fossiler Energien die Immobilienpreise sowie die Wohnraumverfügbarkeit werden massiv unter Druck geraten.

Die sozialen Auswirkungen eines solchen Verbots wären gravierend und könnten die soziale Ungleichheit in Deutschland erheblich verschärfen. Höhere Energiepreise würden vor allem einkommensschwache Haushalte belasten. In Kombination mit der potenziellen Nahrungsmittelknappheit könnte dies zu lebensbedrohlichen Situationen für viele Menschen mit geringem Einkommen und in Folge zu einer ernsthaften sozialen Krise führen.

Es ergibt sich ein verheerendes Fazit: Ein Verbot fossiler Energieträger in Deutschland ab 2030 wäre ein radikaler Schritt mit gravierenden Auswirkungen auf die Energieversorgung, die Wirtschaft und vor allem die soziale Struktur des Landes. Im Ergebnis ist festzustellen, dass ein solches Verbot höchstwahrscheinlich katastrophale Auswirkungen mit sich bringen würde. Seit der Coronakrise ist deutlich geworden, wie anfällig unsere Lieferketten schon bei kleinen Störungen sind. Das angedachte Verbot wäre Verursacher einer Vielzahl solcher Störungen auf nahezu allen Gebieten, d. h. viele Auswirkungen konnten keinen Eingang in diese kurze Betrachtung finden, es ist in jedem Fall damit zu rechnen, dass weit über die hier angestellten Überlegungen hinaus weitere Einschränkungen zu Tage treten würden.

Denkbar wäre, die negativen Auswirkungen eines Verbots fossiler Energieträger durch Unterstützung einkommensschwacher Haushalte, gesteigerten Ausbau der erneuerbaren Energien und massive Investitionen in die Infrastruktur abzumildern, möglicherweise würden solcherlei Maßnahmen ausreichen um eine Katastrophe abzuwenden, eine massive und langjährigen Krise wäre auch damit kaum zu verhindern.

Das Beitragsbild ist ein Beispielbild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de