Die ständigen Provokationen des Westens gegenüber nahezu allen souveränen Staaten, die sich nicht bedingungslos unterordnen, finden längst nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld oder im offenen propagandistischen Raum statt. Sie geschehen subtiler, perfider und oft unsichtbar – über sogenannte „Revolutions-Baukästen“.
Um eines vorweg klarzustellen: Unzufriedenheit in der Bevölkerung ist oft real. Menschen haben jedes Recht der Welt, mit ihrer Regierung zu hadern, zu protestieren und Veränderungen zu fordern. Das ist eine rein innere Angelegenheit. Ich bestreite nicht die Legitimität der Völker, die unzufrieden sind. Ich bestreite jedoch vehement die Legitimität Dritter, die sich von außen einmischen.
Man muss den Treibern dieser Revolutionen vor Ort zugutehalten, dass viele von ihnen – zumindest am Anfang ihrer „Karriere“ – Idealisten sind. Sie glauben aufrichtig, sie würden die Welt verbessern. Doch genau dieser Idealismus wird zynisch ausgenutzt. Für die geopolitischen Strategen im Hintergrund sind diese Menschen oft nur nützliche Idioten, Schachfiguren in einem Spiel um Macht und Ressourcen, dessen volle Tragweite sie kaum überblicken.
Der Westen nutzt Begriffe wie „Demokratie“ und „Menschenrechte“ als Köder. Die Strategie erinnert an die eines Drogendealers: Man bietet erst den „Stoff“ an, um Abhängigkeiten zu schaffen.
Doch oft reicht die natürliche Unzufriedenheit für einen Umsturz gar nicht aus. Hier kommen Sanktionen ins Spiel, mit denen der Westen versucht, Zielgesellschaften durch Wirtschaftskriege sturmreif zu schießen. Man zerstört gezielt den Wohlstand, um Mangel und Not zu erzeugen. Die Hoffnung der Strategen: Die Bevölkerung soll aus Verzweiflung gegen die eigene Regierung aufbegehren.
Doch diese Rechnung ist zynisch und geht oft nicht auf. Gerade zu Beginn bewirken Sanktionen häufig das genaue Gegenteil: Die Menschen solidarisieren sich mit ihrer Regierung, um dem Angriff von außen zu trotzen. Der sanktionierende Staat wird als Feind erkannt, der das eigene Leid verursacht, was die Bevölkerung eher zusammenschweißt als spaltet.
Wir sehen das exemplarisch an Kuba, das seit Jahrzehnten unter völkerrechtswidrigen Sanktionen leidet. Wahrscheinlich wäre es dort längst zu innenpolitischen Veränderungen oder gar Umstürzen gekommen, wenn nicht die permanente Aggression der USA der Regierung die perfekte Begründung für den Mangel liefern würde. Die Sanktionen stabilisieren hier ungewollt genau die Gegner, die sie treffen sollen. Erst langfristig, oft Jahre oder Jahrzehnte nach dem wirtschaftlichen Ruin, hofft der Westen auf einen Kipppunkt der Stimmung – doch selbst dann ist keineswegs garantiert, dass sich die Wut gegen die eigene Führung richtet und nicht gegen den eigentlichen Verursacher im Ausland. Auch im Iran lässt sich dieses Muster beobachten.
Die Liste der Eingriffe ist lang und beschränkt sich nicht auf wenige Einzelfälle. Hier ist eine unvollständige Übersicht, die das systemische Ausmaß seit der Jahrtausendwende verdeutlicht:
| Jahr | Land | Ereignis | Art der westlichen Beteiligung (Belegt/Vermutet) |
| 2000 | Serbien | Bulldozer-Revolution | Massive Finanzierung ($41 Mio.) der Opposition und Ausbildung der Jugendbewegung Otpor durch US-Behörden. |
| 2002 | Venezuela | Putschversuch | US-Wissen über den Putsch, Finanzierung der Opposition durch NED und sofortige Anerkennung der Putschregierung. |
| 2003 | Georgien | Rosenrevolution | Finanzierung von NGOs und der Jugendgruppe Kmara durch Soros-Stiftungen und US-Gelder. |
| 2004 | Haiti | Sturz von Aristide | US-Militär transportierte Präsident Aristide außer Landes; Vorwürfe der Entführung. |
| 2004 | Ukraine | Orangene Revolution | Finanzierung der Gruppe Pora, Exit-Polls und diplomatische Intervention bei Wahlunregelmäßigkeiten. |
| 2005 | Kirgisistan | Tulpenrevolution | Unterstützung unabhängiger Medien und Druckereien durch Freedom House als Zündfunke. |
| 2009 | Iran | Grüne Bewegung | US State Department intervenierte bei Twitter, um Wartungsarbeiten zu verschieben und Kommunikation der Demonstranten zu sichern. |
| 2010/11 | Tunesien | Jasminrevolution | US-Training für digitale Aktivisten im Vorfeld; diplomatische Abkehr vom Ben-Ali-Regime. |
| 2011 | Ägypten | Revolution gegen Mubarak | Ausbildung der Jugendbewegung 6. April durch US-finanzierte Gruppen (CANVAS); Kontakte zur US-Botschaft. |
| 2011 | Libyen | Sturz Gaddafis | NATO-Luftintervention, die faktisch als Luftwaffe der Rebellen fungierte (Missbrauch des UN-Mandats). |
| 2011 | Syrien | Bürgerkrieg | CIA-Programm Timber Sycamore lieferte Waffen und Training an Rebellen; diplomatische Delegitimierung Assads. |
| 2014 | Ukraine | Euromaidan | Hochrangige US-Besuche (Nuland, McCain); Einmischung in die Regierungsbildung („Fuck the EU“). |
| 2014 | Hongkong | Regenschirm-Revolution | Vorwürfe der NED-Finanzierung von pro-demokratischen Gruppen und Gewerkschaften. |
| 2016 | Brasilien | Amtsenthebung Rousseff | Kollaboration zwischen US-Justizministerium und brasilianischen Staatsanwälten (Lava Jato). |
| 2019 | Venezuela | Putschversuch (Guaidó) | Sofortige US-Anerkennung Guaidós, Ölsanktionen und Destabilisierung. |
| 2019 | Bolivien | Sturz von Morales | US-finanzierter OAS-Bericht behauptete Wahlmanipulation (später widerlegt), führte zum Putsch. |
| 2019 | Hongkong | Proteste | Diplomatische Treffen mit Aktivisten; NED-Unterstützung für Zivilgesellschaft. |
| 2022 | Kasachstan | Blutiger Januar | Vorwürfe ausländischer Involvierung durch langjährige Finanzierung von NGOs. |
| 2022 | Pakistan | Sturz Imran Khan | Hinweise auf US-Diplomatentelegramm (Cypher), das Regierungswechsel forderte. |
| 2024 | Bangladesch | Rücktritt Hasinas | Vorwürfe, die USA hätten den Sturz betrieben, u.a. wegen Streit um Militärbasis. |
Eine solche Liste kann naturgemäß niemals vollständig sein, weil sich viele der Umstürze oder Umsturzversuche im verborgenen, oft unter Beteiligung von Geheimdiensten oder indirekt über sogenannte NGOs vollziehen.
Drei Wege, die Welt zu verändern – und warum der westliche gescheitert ist
Wenn wir darüber nachdenken, wie man die Welt verbessern kann, gibt es im Wesentlichen drei Methoden. Wir müssen uns fragen: Welche funktioniert wirklich?
- Macht über Krieg und Revolution: Das ist der Weg, den der Westen seit Jahrzehnten wählt. Man glaubt, durch Bomben oder inszenierte Umstürze Demokratie erzwingen zu können. Die Bilanz ist verheerend: Libyen ist ein Trümmerfeld, Syrien ausgeblutet, die Ukraine im Krieg. Diese Methode hat alles immer nur schlechter gemacht.
- Wandel durch Handel: Ein Ansatz, den wir in der deutschen Geschichte – besonders in der Ostpolitik – erfolgreich erlebt haben. Er ist langsam, er erfordert Geduld, aber er funktioniert, weil er auf gegenseitigen Interessen und Stabilität aufbaut.
- Besseres Vorleben: Das ist langfristig die wohl mächtigste und ehrlichste Methode. Man baut im eigenen Land eine Gesellschaft auf, die so erfolgreich, stabil und gerecht ist, dass sie als leuchtendes Beispiel dient, dem andere freiwillig folgen wollen.
China zeigt uns aktuell, wie diese dritte Methode funktionieren kann. Statt andere Länder zu belehren oder zu bombardieren, konzentriert sich China auf den eigenen Aufbau und wirtschaftliche Kooperation. Der Erfolg gibt ihnen recht: Sie gewinnen global an Einfluss, nicht durch Zwang, sondern durch Attraktivität und sichtbare Erfolge.
Wäre es dem Westen ernst mit seinen Werten, würde er aufhören zu zündeln und anfangen, selbst wieder ein Beispiel zu sein, dem man folgen möchte, statt folgen zu müssen.
Dieser Artikel wurde erstmals am 11.01.2026 veröffentlicht. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von Antonio Cansino auf Pixabay.
Zur Vorbereitung dieses Artikels wurde eine KI Recherche durchgeführt, deren Ergebnisse hier eingesehen werden können.
Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de