Man fragt sich wirklich, in welcher Zeit wir eigentlich leben. Schaut man sich das Weltgeschehen an, muss man konstatieren: Wir sind zurück im Zeitalter der Barbarei. Die dünne Decke der Zivilisation ist weggerissen. Nicht nur das Völkerrecht wird offen in die Tonne gekloppt, auch die Diplomatie an sich – über Jahrhunderte das Mittel, um Konflikte zu lösen – wurde über Bord geworfen. An ihre Stelle ist das nackte Recht des Stärkeren getreten. Krieg wird wieder als völlig normales, legitimes Mittel der Politik begriffen.
Das beginnt auf den Weltmeeren. Was wir dort erleben, ist nichts anderes als staatliche Piraterie, wie wir sie aus dem 17. Jahrhundert kennen. Westliche Staaten, allen voran die USA und ihre europäischen Verbündeten, kapern Schiffe unter iranischer oder venezolanischer Flagge, rauben Ladungen und verhalten sich wie Wegelagerer. Wer sich nicht der westlichen Ordnung unterwirft, dessen Eigentum ist Freiwild. Es herrscht das Faustrecht auf hoher See.
Doch diese Piraterie beschränkt sich längst nicht mehr auf die Meere. Sie hat das Festland erreicht und eine neue, ungeheuerliche Dimension angenommen. Der Überfall der US-Armee auf Caracas am 3. Januar 2026 zeigt, dass souveräne Staaten für den Westen nicht mehr existieren. Unter dem Deckmantel der „Operation Absolute Resolve“ wurde eine Hauptstadt bombardiert, wurden Dutzende Menschen ermordet. Und der Gipfel dieses Gangstertums: Ein amtierender Staatspräsident, Nicolás Maduro, wurde samt seiner Ehefrau entführt, nach New York verschleppt und dort in einem Triumphzug wie eine Jagdtrophäe vorgeführt. Nun steht er in einem Schauprozess vor einem Täter, der sich Richter nennt. Das hat mit Justiz nichts zu tun – das ist imperiale Willkür in Reinkultur. Ziel des Ganzen ist die Kolonialisierung Venezuelas, um dessen Öl zu rauben. Die Räuber erklärten dies sogar völlig schamlos in aller Öffentlichkeit.
Und während der Westen außenpolitisch wütet wie die Vandalen, führt die EU im Inneren einen Krieg gegen die eigene Bevölkerung. Wer es wagt, diese Verbrechen zu benennen oder auch nur eine andere Meinung zu haben, wird vernichtet. Nicht physisch, aber bürgerlich. Die EU sanktioniert mittlerweile eigene Bürger. Journalisten und Meinungsführer wie Jacques Baud, Nathalie Yamb, Alina Lipp, Thomas Röper oder Hüseyin Dogru werden behandelt wie Terroristen. Ihre Konten werden eingefroren, sie werden faktisch aus der Gesellschaft ausgestoßen. Sie haben keine Verbrechen begangen, sie haben nur ihre Meinung gesagt. Das ist die moderne Form der mittelalterlichen „Reichsacht“: Wer der Obrigkeit widerspricht, wird vogelfrei erklärt.
Wir leben also in einer Welt, die moralisch und rechtlich bereits in Trümmern liegt. Und genau jetzt, wo jede Sicherung durchgebrannt ist, kommt das tödliche Sahnehäubchen: Die Bereitschaft, diesen Wahnsinn mit Atomwaffen zu krönen. Eine aktuelle Analyse der globalen Nukleardoktrinen zeigt, dass die Hemmschwellen für den Atomkrieg fast überall fallen.
Den Vogel schießt dabei Israel ab, der Schurkenstaat Nummer eins. Offiziell leugnet Israel seine Atomwaffen, doch seine inoffizielle Doktrin, die „Samson-Option“, ist der reine Terror. Im Falle einer existenziellen Bedrohung (Definition durch die völkermordende Regierung Israels!) droht Israel nicht nur den Angreifern, sondern ist bereit, „alle feindlichen Hauptstädte der Region“ auszulöschen – auch die von Ländern, die gar nicht am Angriff beteiligt sind. Das Motto: Wenn wir gehen, nehmen wir alle mit.
Doch auch die anderen stehen dem in nichts nach:
- Russland hat die Schwelle gesenkt: Nicht mehr nur die Existenz des Staates, schon eine Gefahr für die „territoriale Integrität“ kann den Atomschlag auslösen.
- Die NATO-Staaten USA, Großbritannien und Frankreich weigern sich beharrlich, auf einen Ersteinsatz („No First Use“) zu verzichten. Sie behalten sich das Recht vor, den Atomkrieg zu beginnen, selbst wenn sie nur konventionell angegriffen werden.
- Nordkorea hat den Weltuntergang automatisiert: Per Gesetz löst der Tod der Staatsführung sofort und ohne menschliches Zutun den atomaren Gegenschlag aus.
- Pakistan droht mit der Bombe schon bei „wirtschaftlicher Strangulierung“ – genau jener Art von Wirtschaftskrieg, den der Westen so gerne führt.
Nur China und Indien haben sich verpflichtet, nicht als Erste zu schießen.
Die Absenkung der Hemmschwelle ist beileibe kein rein russisches Phänomen; der Westen und seine Verbündeten haben ihre Doktrinen ebenso gefährlich entgrenzt.
Die USA haben den Einsatz von Atomwaffen inzwischen explizit auf „nicht-nukleare strategische Angriffe“ ausgeweitet. Das bedeutet im Klartext: Ein schwerer Cyberangriff auf die Infrastruktur oder das Stromnetz könnte heute bereits den nuklearen Weltuntergang auslösen.
Noch drastischer ist die Logik in Pakistan: Dort gilt bereits die „wirtschaftliche Strangulierung“ – also etwa eine Seeblockade oder massive Sanktionen, die den Staat bankrott machen – als offizielle rote Linie für den Einsatz der Bombe.
Und Frankreich? Das behält sich mit seiner Doktrin des „Ultime Avertissement“ (Letzte Warnung) vor, einen konventionellen Konflikt mit einem nuklearen Warnschuss zu „deeskalieren“. Was als Warnung verkauft wird, ist nichts anderes als ein faktischer Ersteinsatz, der die Büchse der Pandora öffnet.
Und mitten in diesem Irrenhaus steht Deutschland und schreit „Hier!“. Mit der Stationierung von US-Mittelstreckenraketen ab 2026, die russische Entscheidungszentren in Minuten vernichten können, machen wir uns zur primären Zielscheibe. Wir bieten uns als Schlachtfeld an für Kriege, die andere führen.
Es ist nur noch irre. Wir müssen aufhören, Piraterie, Entführungen und Zensur als „Werte“ zu verkaufen und zum Völkerrecht zurückkehren – bevor die Pilze in den Himmel wachsen.
Dieser Artikel erschien erstmal am 07.01.2026. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von jürgen ihle auf Pixabay.
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Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de