Wer behauptet, dass Rüstung Arbeitsplätze schafft, der lügt: Warum Panzer unseren Wohlstand vernichten

Es gibt Sätze, die werden so oft wiederholt, bis sie jeder glaubt. Einer dieser Sätze lautet: „Rüstungsausgaben kurbeln die Wirtschaft an und schaffen Arbeitsplätze.“ Das hören wir ständig, wenn wieder Milliarden für die Bundeswehr gefordert werden. Doch ich sage Ihnen ganz deutlich: Wer behauptet, dass Rüstung Arbeitsplätze schafft, der lügt.

Die Wahrheit ist eine ganz andere. Jeder Euro, den der Staat einnimmt, kann nur ein einziges Mal ausgegeben werden. Und wenn wir uns entscheiden, diesen Euro in Rüstung zu stecken, dann ist das wirtschaftlich gesehen so, als würden wir Geld verbrennen.

Die einfache Rechnung: Der Euro, der fehlt

Lassen Sie uns das ganz nüchtern betrachten. In der Ökonomie gibt es einen Begriff, der kompliziert klingt, aber eigentlich ganz simpel ist: den Fiskalmultiplikator. Lassen Sie sich von dem Wort nicht abschrecken. Er beschreibt im Grunde nur, wie viel „Rendite“ die Gesellschaft bekommt, wenn der Staat Geld investiert.

Wenn der Staat Geld ausgibt, dann fließt dieses Geld durch Löhne und Aufträge zurück in den Wirtschaftskreislauf. Die Menschen kaufen davon Brot, gehen zum Friseur oder bauen ein Haus. Dadurch entstehen Steuereinnahmen und neue Arbeitsplätze. Aber nicht jede Ausgabe wirkt gleich.

Wissenschaftliche Untersuchungen, unter anderem vom Internationalen Währungsfonds, zeigen ein erschreckendes Bild für die Rüstungsindustrie:

  • Rüstung: Wenn wir einen Euro für Rüstung ausgeben, erhalten wir oft weniger als einen Euro an wirtschaftlicher Leistung zurück – im Schnitt etwa 0,80 Euro. Das ist ein Verlustgeschäft.
  • Zivile Zukunft: Wenn wir dagegen den gleichen Euro in Bildung, Gesundheit oder Infrastruktur investieren, erhalten wir bis zu 4,30 Euro zurück. Studien zeigen hier Werte, die über das Vierfache der ursprünglichen Investition reichen können.

Das Rechenbeispiel: 100 Milliarden für die Tonne

Rechnen wir das an einem konkreten Beispiel durch, über das wir in Deutschland gerade viel zu leichtfertig sprechen: 100 Milliarden Euro.

Nehmen wir an, wir stecken diese 100 Milliarden in die Rüstung. Was passiert? Ein riesiger Teil dieses Geldes fließt sofort ins Ausland, zum Beispiel in die USA, wenn wir F-35 Kampfjets kaufen. Dieses Geld ist für unsere Wirtschaft verloren. Da die Rüstungsindustrie extrem viel Geld für teures Material und wenig für Personal ausgibt, entstehen hier kaum Jobs. Am Ende haben wir im Laufe der Jahre vielleicht 80 Milliarden Euro an wirtschaftlichem Rückfluss durch Löhne und Konsum. Wir haben also effektiv 20 Milliarden Euro Wohlstand vernichtet. Und was haben wir dafür auf dem Hof stehen? Panzer, die rosten, gewaltige Unterhaltskosten verursachen und die Sicherheitsspirale mit Russland weiter anheizen.

Jetzt stellen Sie sich vor, wir hätten den Mut, diese 100 Milliarden in Bildung und Infrastruktur zu investieren. Bildung ist personalintensiv. Das Geld fließt in Gehälter von Lehrern, in das Handwerk, das Schulen saniert, und in die Ausbildung unserer Kinder. Diese Investition würde über die Jahre einen wirtschaftlichen Effekt von bis zu 200 Milliarden Euro erzeugen. Warum? Weil wir hier in Menschen investieren, die später Innovationen schaffen, Firmen gründen und unsere Gesellschaft voranbringen.

Und wenn wir den Betrag in Gesundheit investiert hätten, könnten wir mit einen Rückfluss von 430 Milliarden Euro rechnen.

Der unsichtbare Verlust von Arbeitsplätzen

Der eigentliche Skandal ist das, was Ökonomen „Opportunitätskosten“ nennen – ich nenne es den Diebstahl an der Zukunft.

Die Fakten sind klar: Eine Million Euro, investiert in die Rüstung, schafft im Schnitt nur etwa 6,9 Arbeitsplätze. Die gleiche Million, investiert in Bildung, schafft 19,2 Arbeitsplätze – das ist fast das Dreifache!

Das bedeutet im Umkehrschluss: Wenn wir uns für die Rüstungsmilliarden entscheiden, entscheiden wir uns aktiv gegen Zehntausende Arbeitsplätze.

  • Wir haben zwar einige Ingenieure bei Rheinmetall, aber uns fehlen dreimal so viele Lehrer, Pflegekräfte und Handwerker.
  • Die 100 Milliarden für die Rüstung vernichten also unter dem Strich Arbeitsplätze, weil sie verhindern, dass das Geld dort ausgegeben wird, wo es wirklich Arbeit schafft.

Also: Rüstung ist keine Investition

Wir müssen aufhören, uns in die Tasche zu lügen. Rüstungsausgaben lösen keine wirtschaftlichen Probleme, sie schaffen sie. Sie entziehen dem zivilen Bereich die Fachkräfte , treiben die Inflation und lassen unser Geld ins Ausland abfließen.

Wenn Ihnen also das nächste Mal ein Politiker erzählt, das Sondervermögen für die Bundeswehr wäre gut für die deutsche Wirtschaft, dann wissen Sie es besser.

Es ist ganz einfach: In Bildung investiert man. In Gesundheit investiert man. In Rüstung verbrennt man Geld.

Dieser Artikel erschien erstmals am 06.01.2026. Das Artikelbild für von GTP-Image generiert.

Zur Vorbereitung dieses Artikels wurde eine DeepResearch Recherche durchgeführt, die hier heruntergeladen werden kann.

Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de