Während das Prinzip staatlicher Souveränität formal als Grundpfeiler des Völkerrechts gilt, zeigt die Praxis westlicher Außenpolitik ein systematisches Muster der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten. Der Libanon bietet ein besonders aufschlussreiches Fallbeispiel für diese Dynamik. seit seiner Gründung 1943 wurde das kleine mediterrane Land zum Schauplatz vielfältiger Formen externer Intervention – von direkten militärischen Invasionen über diplomatische Manipulation bis hin zu wirtschaftlicher Erpressung durch Sanktionsregime und die Instrumentalisierung internationaler Finanzinstitutionen.
Dieser Artikel zeigt, wie westliche Mächte, insbesondere die Vereinigten Staaten und ihr regionaler Verbündeter Israel, die strukturelle Schwäche des libanesischen Staates systematisch ausgenutzt haben, um ihre geopolitischen Interessen durchzusetzen. Dabei wird deutlich, dass es nicht um die proklamierten Ziele von Demokratieförderung, Stabilität oder Menschenrechten geht, sondern um die Aufrechterhaltung regionaler Hegemonie und die Unterdrückung von Widerstandsbewegungen gegen diese Dominanz.
Die Anfälligkeit des Libanon für externe Einmischung ist kein Zufall, sondern das Resultat seiner kolonialen Entstehungsgeschichte. Als Produkt französischer Imperialpolitik wurde der Libanon mit einer konfessionellen Machtstruktur ausgestattet, die verschiedene religiöse Gemeinschaften in einem komplexen, aber inhärent instabilen Machtteilungssystem vereint. Diese konfessionelle Struktur – ein Produkt französischer Kolonialpolitik, lokaler Machtverhandlungen und osmanischer Traditionen – hatte den Effekt, dass sie einen starken Zentralstaat verhinderte und Raum für externe Einmischung schuf. Ob dies bewusste Intention oder unbeabsichtigte Konsequenz war, bleibt historisch debattiert.
Frankreich positionierte sich historisch als Schutzherr der christlichen Maroniten und schuf damit ein Modell, bei dem libanesische Gemeinschaften ihre Legitimität und Sicherheit nicht aus einem gemeinsamen staatlichen Rahmen bezogen, sondern aus der Patronage externer Mächte. Diese Struktur überlebte die formale Unabhängigkeit 1943 und wurde nahtlos in die Nachkriegsordnung übertragen, wobei die Vereinigten Staaten die Rolle der dominanten externen Macht übernahmen.
Ein zentrales Merkmal dieser Struktur war die systematische Schwächung der libanesischen Armee. Im Gegensatz zu anderen postkolonialen Staaten, die starke Militärapparate aufbauten, blieb die libanesische Armee klein, unterfinanziert und ohne wirkliche Kapazität zur territorialen Verteidigung. Die Schwäche der libanesischen Armee war das Resultat mehrerer Faktoren: des gegenseitigen Misstrauens der Konfessionen, das eine starke Zentralarmee verhinderte; der Interessen externer Besatzungsmächte wie Syrien; und des Fehlens eines nationalen Konsenses nach dem Bürgerkrieg. Diese strukturelle Schwäche – ob ursprünglich beabsichtigt oder nicht – schuf ein Machtvakuum, das externe Akteure und lokale Milizen füllten und das diese Akteure aktiv aufrechterhielten.
Diese institutionelle Schwäche wurde von westlichen Mächten nicht bekämpft, sondern gezielt ausgenutzt. Anstatt den Aufbau eines souveränen, handlungsfähigen Staates zu unterstützen, förderten externe Akteure ein System, in dem verschiedene Fraktionen gegeneinander ausgespielt werden konnten und der nominale Staat weniger Macht ausübte als ausländische Patrone und ihre lokalen Stellvertreter.
Die Besetzung Südlibanons 1982-2000
Die israelische Invasion von 1982, euphemistisch als „Operation Frieden für Galiläa“ bezeichnet, etablierte ein umfassendes Besatzungsregime im südlichen Libanon, das fast zwei Jahrzehnte andauern sollte. Diese Besatzung war weit mehr als eine militärische Präsenz – sie stellte ein komplettes Kontrollsystem dar, durch das Israel politische, militärische und administrative Autorität über libanesisches Territorium ausübte.
Im Zentrum dieser Besatzungsstrategie stand die South Lebanese Army (SLA), eine Proxy-Miliz, die vom israelischen Geheimdienst aufgebaut, finanziert, bewaffnet und kommandiert wurde. Die SLA fungierte als lokales Gesicht der Besatzung und ermöglichte es Israel, direktes Eingreifen in die inneren Angelegenheiten der besetzten Gebiete zu vermeiden, während gleichzeitig die vollständige Kontrolle aufrechterhalten wurde.
Diese Form der Stellvertreter-Herrschaft ist charakteristisch für moderne Interventionspolitik: Statt einer offenen, völkerrechtlich eindeutig illegalen Annexion wird ein System indirekter Kontrolle etabliert, das formal die Souveränität des besetzten Staates respektiert, faktisch aber seine vollständige Unterordnung erzwingt.
Die israelische Besatzung des südlichen Libanon wäre ohne die materielle und diplomatische Unterstützung der Vereinigten Staaten und anderer westlicher Mächte nicht möglich gewesen. Während die Besatzung formell kritisiert wurde, flossen gleichzeitig Milliarden Dollar an Militärhilfe nach Israel, die die Besatzung erst ermöglichten und aufrechterhielten.
Diese Doppelmoral – formale Kritik bei gleichzeitiger materieller Unterstützung – ist ein wiederkehrendes Muster westlicher Interventionspolitik. Sie ermöglicht es westlichen Regierungen, nach außen das Völkerrecht zu respektieren, während sie faktisch systematische Verstöße gegen eben dieses Recht fördern und finanzieren.
Die Besatzung endete erst im Jahr 2000, nicht durch diplomatischen Druck oder internationale Vermittlung, sondern durch militärischen Widerstand. Die Vertreibung israelischer Truppen durch Hezbollah demonstrierte, dass bewaffneter Widerstand gegen westlich unterstützte Besatzung erfolgreich sein kann – eine Lektion, die westliche Mächte bis heute nicht akzeptieren wollen.
Marines im Beirut: Eine „humanitäre“ Mission wird zur Kriegspartei
Die amerikanische Militärintervention im Libanon 1982-1984 wird in westlichen Geschichtsdarstellungen oft als gescheiterte Friedensmission präsentiert. Diese Darstellung verschleiert jedoch die tatsächliche Natur der Intervention: Die Vereinigten Staaten griffen aktiv in den libanesischen Bürgerkrieg ein, unterstützten die von Israel eingesetzte Regierung unter Amine Gemayel und bombardierten syrische und pro-palästinensische Positionen.
Die ursprünglich als „Friedenstruppe“ deklarierte Multinational Force verwandelte sich rasch in eine Besatzungsmacht. Schwer bewaffnete amerikanische Marineinfanteristen wurden in Beirut stationiert und führten Kampfhandlungen durch, die zu Hunderten amerikanischen und Tausenden libanesischen Opfern führten.
Der Bombenanschlag auf das Marine-Barracks im Oktober 1983, bei dem 241 amerikanische Soldaten getötet wurden, wird oft als unprovozierte terroristische Attacke dargestellt. Diese Interpretation ignoriert jedoch den Kontext: Die amerikanischen Truppen waren zu diesem Zeitpunkt längst zu einer aktiven Kriegspartei geworden, die syrische Stellungen bombardierte und damit offen Partei für eine Seite im Bürgerkrieg ergriff.
Die amerikanische Intervention der 1980er Jahre etablierte ein Muster, das sich in den folgenden Jahrzehnten wiederholen sollte: Westliche Mächte intervenieren nicht neutral zur Friedenssicherung, sondern zur Durchsetzung ihrer strategischen Interessen. Diese Interessen werden als universelle Werte (Frieden, Demokratie, Menschenrechte) präsentiert, manifestieren sich aber in der Unterstützung für bestimmte Fraktionen gegen andere.
Die Vereinigten Staaten zogen sich erst 1984 aus dem Libanon zurück, nachdem innenpolitischer Druck in den USA zu stark geworden war. Diese Intervention hinterließ ein verwüstetes Land und eine tiefe Entfremdung zwischen der libanesischen Bevölkerung und dem Westen. Die strategischen Interessen der USA waren jedoch klar kommuniziert worden: Libanesische Unabhängigkeit würde nur im Rahmen amerikanischer Sicherheitsinteressen toleriert werden.
Das Taif-Abkommen und die Neuordnung unter westlicher Aufsicht
Das Taif-Abkommen von 1989, das den libanesischen Bürgerkrieg formal beendete, wird oft als endogener libanesischer Kompromiss präsentiert. Tatsächlich war es jedoch das Produkt intensiver externer Einmischung, insbesondere durch Saudi-Arabien (als Stellvertreter amerikanischer Interessen) und Syrien (mit sowjetischer Unterstützung).
Die Nachkriegsordnung wurde von Anfang an durch westliche Prioritäten strukturiert. Der Wiederaufbau des libanesischen Staates erfolgte nicht nach den Bedürfnissen der libanesischen Bevölkerung, sondern nach den Vorgaben internationaler Finanzinstitutionen und unter der Führung von Figuren, die eng mit westlichen Interessen verbunden waren.
Rafic Hariri, der saudische Geschäftsmann und spätere Premierminister, wurde zur zentralen Figur dieses Projekts. Hariri verfolgte eine aggressive neoliberale Wirtschaftspolitik, die die libanesische Wirtschaft eng mit westlichen Finanzinteressen verknüpfte, während gleichzeitig öffentliche Dienstleistungen abgebaut und die Verschuldung dramatisch erhöht wurde.
Die westliche Unterstützung für den libanesischen „Wiederaufbau“ war nie bedingungslos. Sie war an spezifische politische Forderungen geknüpft: Die Annahme pro-westlicher Außenpolitik, die Isolation Hezbollahs, die Umsetzung von Privatisierungsprogrammen und die Garantie, dass westliche Investitionen geschützt würden.
Kredite und technische Unterstützung flossen selektiv zu Projekten, die westliche Interessen förderten, während Initiativen, die eine stärkere staatliche Kontrolle oder eine Umverteilung von Ressourcen beinhalteten, blockiert wurden. Dies ist ein charakteristisches Merkmal moderner Interventionspolitik: Die Nutzung von Wirtschaftshilfe nicht als humanitäres Instrument, sondern als Werkzeug politischer Kontrolle.
Das amerikanische Dilemma: Eine Armee aufbauen ohne Hezbollah zu stärken
Ein besonders aufschlussreiches Beispiel für die Widersprüche westlicher Interventionspolitik ist die amerikanische Strategie gegenüber der libanesischen Armee. Als Hezbollah in den 1990er Jahren politisch erstarkte und in Wahlen antrat, erkannten die USA, dass eine starke libanesische Armee möglicherweise nicht als Gegengewicht zu Hezbollah dienen würde, sondern von dieser kooptiert werden könnte.
Das „amerikanische Dilemma“ – wie die libanesische Armee gestärkt werden könne, ohne gleichzeitig Hezbollah zu stärken – blieb ungelöst. Die Antwort der USA war der Versuch, eine selektiv loyale Armee aufzubauen: stark genug, um als Sicherheitsapparat zu funktionieren, aber schwach genug, um von externen Akteuren kontrollierbar zu bleiben.
Nach 2006 investierten die Vereinigten Staaten Milliarden in die Modernisierung der libanesischen Armee. Diese Hilfe war jedoch stark konditioniert: Sie durfte nicht gegen Israel eingesetzt werden, sollte primär Hezbollah eindämmen und musste von amerikanischen Beratern überwacht werden. Dies war keine Stärkung staatlicher Souveränität, sondern die Schaffung eines Sicherheitsapparates, der westlichen Interessen diente.
Der Krieg von 2006: Grünes Licht für Zerstörung
Der Krieg von 2006 zwischen Israel und Hezbollah markierte eine neue Phase westlicher Komplizenschaft bei der Verletzung libanesischer Souveränität. Declassifizierte Berichte und Investigativjournalismus von Seymour Hersh enthüllten, dass die Bush-Administration Israel faktisch „grünes Licht“ für den Angriff gegeben hatte. Kommunikationen zwischen den israelischen und amerikanischen Regierungen fanden bereits zwei Monate vor der Offensive statt, was die Behauptung einer „spontanen Reaktion“ auf die Entführung israelischer Soldaten widerlegt.
Dies war keine passive Duldung, sondern aktive Ermöglichung: Die USA stellten sicher, dass Israel die notwendige Zeit und Munition für seine Kampagne hatte, blockierten UN-Resolutionen für einen sofortigen Waffenstillstand und verteidigten die israelischen Operationen in internationalen Foren.
Der Krieg von 2006 richtete sich nicht nur gegen Hezbollah, sondern gegen den libanesischen Staat als Ganzes. Israel bombardierte systematisch zivile Infrastruktur, einschließlich des internationalen Flughafens von Beirut, Kraftwerke, Brücken und Wohngebiete. Diese Angriffe wurden mit der Behauptung gerechtfertigt, dass diese Infrastruktur von Hezbollah genutzt werde oder dass die libanesische Regierung für Hezbollahs Aktionen verantwortlich sei.
Diese Logik – die kollektive Bestrafung eines ganzen Landes für die Aktionen einer Gruppe innerhalb dieses Landes – stellt einen fundamentalen Verstoß gegen das Völkerrecht dar. Trotzdem wurde sie von westlichen Regierungen weitgehend akzeptiert und verteidigt.
Besonders aufschlussreich ist die Haltung der damaligen amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice, die den Konflikt als „Geburtswehen eines neuen Nahen Ostens“ bezeichnete – eine zynische Formulierung, die die Zerstörung und das menschliche Leid als notwendige Opfer für eine westlich dominierte regionale Ordnung darstellte.
Während des Krieges blockierten die Vereinigten Staaten systematisch internationale Bemühungen um einen sofortigen Waffenstillstand. Nach Berichten widersprach der damalige Unterstaatssekretär David Welch einer Waffenstillstandsresolution mit der Begründung, dass Israel mehr Zeit benötige, um Hezbollah zu schwächen.
Dies war keine neutrale Friedensvermittlung, sondern aktive Parteinahme. Die USA nutzten ihre Position im UN-Sicherheitsrat nicht zur Beendigung der Gewalt, sondern zur Verlängerung einer Kampagne, die über 1.000 libanesische Zivilisten tötete und das Land mit Streubomben kontaminierte.
Eine während des Konflikts durchgeführte Umfrage offenbarte die tiefe Kluft zwischen westlicher Politik und der Perspektive der libanesischen Bevölkerung: Nur 8% der Befragten gaben an, Vertrauen in die USA zu haben, während 87% Hezbollahs Widerstand gegen Israel unterstützten.
Diese Statistik ist fundamental für das Verständnis westlicher Interventionspolitik: Sie verfolgt nicht die Interessen oder Wünsche der betroffenen Bevölkerungen, sondern die geopolitischen Prioritäten westlicher Eliten. Die massive Unterstützung für Hezbollah in der libanesischen Bevölkerung wurde ignoriert oder als Resultat von „Terrorpropaganda“ abgetan, anstatt als legitimer Ausdruck von Widerstand gegen ausländische Aggression anerkannt zu werden.
Die Cedar Revolution: Instrumentalisierung von Protest
Der Mord an Rafic Hariri am 14. Februar 2005 wurde von westlichen Mächten sofort als Gelegenheit zur politischen Neuordnung des Libanon genutzt. Ohne abschließende Ermittlungen oder definitive Beweise beschuldigten westliche Politiker und Medien Syrien der Verantwortung und nutzten den Mord als Rechtfertigung für massiven Druck auf die syrische Regierung.
Die „Cedar Revolution“ – eine Serie von Demonstrationen gegen die syrische Präsenz im Libanon – wurde von westlichen Regierungen aktiv gefördert und unterstützt. Während lokale Proteste zweifellos authentische Elemente hatten, wurden sie von externen Akteuren gezielt verstärkt, finanziert und in eine spezifische politische Richtung gelenkt.
Dies ist ein wiederkehrendes Muster westlicher Interventionspolitik: Die selektive Unterstützung von Protestbewegungen, die westliche Interessen fördern, bei gleichzeitiger Unterdrückung oder Ignorierung von Bewegungen, die diesen Interessen zuwiderlaufen. Die gleichen westlichen Regierungen, die die Cedar Revolution feierten, ignorierten oder verurteilten spätere Proteste gegen neoliberale Wirtschaftspolitik und westliche Einmischung.
Die UN-Sicherheitsratsresolution 1559, die den Abzug syrischer Truppen und die Entwaffnung aller Milizen (einschließlich Hezbollah) forderte, wurde als Instrument westlicher Intervention instrumentalisiert. Während die formale Forderung nach dem Rückzug ausländischer Truppen legitim erscheint, war die selektive Anwendung dieser Prinzipien aufschlussreich.
Die Resolution forderte die Entwaffnung von Hezbollah, während sie die israelische Besatzung der Shebaa-Farmen und wiederholte israelische Verletzungen der libanesischen Souveränität ignorierte. Sie zielte auf syrische Präsenz ab, schwieg aber über die massive amerikanische und israelische Einmischung. Diese Selektivität entlarvt die Resolution als politisches Werkzeug, nicht als Ausdruck universeller Prinzipien.
Das Special Tribunal for Lebanon (STL), ein UN-gestütztes Tribunal zur Untersuchung der Hariri-Ermordung, operierte von 2009 bis 2023 und wurde zu einem kostspieligen Instrument westlicher Druckausübung. Mit einem Budget von über 1 Milliarde Dollar produzierte das Tribunal 2020 eine einzige Verurteilung – eines einzelnen Hezbollah-Mitglieds, Salim Jamil Ayyash, hauptsächlich auf Basis von Handy-Datenanalysen.
Entscheidend ist, dass das Tribunal selbst feststellte, es gebe „keine Beweise, dass die Hezbollah-Führung in Hariris Mord verwickelt war“. Trotzdem wurde die bloße Existenz des Tribunals als politisches Werkzeug gegen Hezbollah genutzt, und westliche Politiker ignorierten systematisch die Tatsache, dass ihre Hauptvorwürfe nicht bestätigt worden waren.
Das STL veranschaulicht eine zynische Instrumentalisierung von Justiz: Ein internationales Tribunal, das vorgeblich Gerechtigkeit sucht, wird in Wirklichkeit als Instrument zur Delegitimierung politischer Gegner westlicher Hegemonie eingesetzt.
Die westlich-saudische Allianz zur Unterstützung pro-westlicher Kräfte
Nach dem Rückzug syrischer Truppen 2005 intensivierten westliche Mächte und ihre regionalen Verbündeten, insbesondere Saudi-Arabien, ihre Unterstützung für die „March 14“-Koalition. Diese Koalition, angeführt von Saad Hariri (dem Sohn des ermordeten Premierministers), wurde zur primären Stütze westlicher Interessen in der libanesischen Politik.
Die Unterstützung war umfassend und materiell: Saudi-Arabien und westliche Länder investierten massive Summen in Wahlkampagnen, stellten politische Berater zur Verfügung und gewährten diplomatische Unterstützung in internationalen Foren. Dies war keine diskrete Unterstützung für politische Partner, sondern eine offene Intervention in den demokratischen Prozess eines souveränen Staates.
Die March 14-Koalition gewann die Wahlen von 2005 mit dieser externen Unterstützung, was Saad Hariri zum Premierminister machte. Diese Wahl wird oft als Triumph der Demokratie präsentiert, war aber faktisch das Ergebnis massiver ausländischer Einmischung und finanzieller Überlegenheit.
Die westliche Investition in die March 14-Koalition stieß jedoch an strukturelle Grenzen. Trotz externer Unterstützung konnte die Koalition Hezbollah nicht marginalisieren, das weiterhin breite Unterstützung in der libanesischen Bevölkerung genoss und über die Fähigkeit verfügte, die Regierung zu paralysieren.
Die bizarre Episode von 2017, als Saad Hariri während eines Besuchs in Saudi-Arabien plötzlich seinen Rücktritt ankündigte und erst nach internationalem Druck nach Libanon zurückkehren durfte, offenbarte die Realität dieser Beziehung: Die angeblich souveränen Vertreter des Libanon waren faktisch von ihren ausländischen Patronen abhängig und konnten gegen deren Willen kaum handeln.
Saudi-Arabiens spätere Desillusionierung mit seiner Libanon-Politik – nach Milliarden investierter Dollars ohne strategischen Erfolg – zeigte, dass selbst massive finanzielle Intervention nicht automatisch politische Kontrolle garantiert, wenn die unterstützten Kräfte keine authentische Basis in der Gesellschaft haben.
Wirtschaftliche Kriegsführung: Sanktionen und finanzielle Strangulation
Nach 2019 transformierte sich die westliche Einmischung im Libanon in eine neue, subtilere aber möglicherweise verheerendere Form: finanzielle und wirtschaftliche Kriegsführung. Als der Libanon in eine der schwersten Wirtschaftskrisen seiner modernen Geschichte stürzte – mit Inflation von über 3000%, Zusammenbruch der Währung und Verarmung von über 80% der Bevölkerung – nutzten westliche Mächte diese Krise als Werkzeug politischer Erpressung.
Diese neue Form der Intervention ist besonders zynisch, weil sie formell als „Hilfe“ präsentiert wird, während sie faktisch die Krise vertieft und als Hebel für politische Forderungen nutzt.
Die Vereinigten Staaten verhängten weitreichende Sanktionen gegen Sektoren der libanesischen Wirtschaft, insbesondere gegen Unternehmen und Individuen, die angeblich Verbindungen zu Hezbollah oder dem Iran hatten. Diese Sanktionen wurden als „gezielte Maßnahmen“ präsentiert, die nur „schlechte Akteure“ treffen sollten.
Die Realität war völlig anders: Die Sanktionen paralysierten weite Teile der libanesischen Wirtschaft, da die Angst vor sekundären Sanktionen internationale Banken dazu veranlasste, jegliche Geschäfte mit libanesischen Institutionen zu vermeiden. Eine amerikanische Beamtin beschrieb dies offen als „finanzielle Erstickungstaktik“ – eine Formulierung, die die tatsächliche Natur dieser Politik offenbart.
Die Sanktionen trafen nicht Hezbollah, das über eigene Ressourcen und Netzwerke verfügt, sondern die gewöhnliche libanesische Bevölkerung, die bereits unter der Wirtschaftskrise litt. Dies ist kein Nebeneffekt, sondern die eigentliche Strategie: durch wirtschaftliches Leiden politischen Druck zu erzeugen und die Bevölkerung gegen Hezbol lah aufzubringen.
Der IWF als Instrument neoliberaler Umstrukturierung
Die Verhandlungen des Libanon mit dem Internationalen Währungsfonds über ein Rettungspaket offenbarten die Macht internationaler Finanzinstitutionen als Werkzeuge westlicher Intervention. Die vom IWF geforderten „Reformen“ waren ein Standardpaket neoliberaler Maßnahmen: Privatisierung staatlicher Unternehmen, Kürzung öffentlicher Ausgaben, Erhöhung regressiver Steuern und Deregulierung der Wirtschaft.
Diese Maßnahmen wurden als technisch notwendig präsentiert, waren aber hochpolitisch: Sie verschoben die Lasten der Krise von den Eliten, die sie verursacht hatten, auf die arbeitende Bevölkerung. Sie demontieren öffentliche Dienstleistungen zugunsten privater Profite. Und sie öffneten die libanesische Wirtschaft weiter für westliche Investoren und Unternehmen.
Der IWF-Ansatz ist Kolonialismus in moderner Form: nicht die direkte politische Kontrolle, sondern die Unterordnung der Wirtschaftspolitik unter die Imperative internationaler Finanzinstitutionen, die wiederum von westlichen Mächten dominiert werden.
Die westliche „Hilfe“ für den Libanon war durchgängig an politische Bedingungen geknüpft. Die Vereinigten Staaten stellten zwar humanitäre Hilfe bereit, aber nur unter der Voraussetzung, dass die libanesische Regierung Reformen durchführte, die zur Isolation Hezbollahs beitragen würden.
Dies stellt eine fundamentale Perversion des Konzepts humanitärer Hilfe dar: Anstatt auf Basis menschlicher Bedürfnisse verteilt zu werden, wird Hilfe als Druckmittel eingesetzt, um politische Konzessionen zu erzwingen. Menschen in Not wird Unterstützung verweigert, um ihre Regierung zu politischen Zugeständnissen zu zwingen.
Diese Politik kann nur als das bezeichnet werden, was sie ist: die Instrumentalisierung von Hunger, Armut und menschlichem Leiden als Werkzeuge geopolitischer Strategie.
Die 2024-Invasion: Die jüngste Phase der Aggression
Im Oktober 2024 führte Israel seine sechste militärische Invasion des südlichen Libanon seit 1978 durch. Diese Invasion, die über 2.700 Menschen tötete (größtenteils Zivilisten), markierte eine weitere Eskalation in einem Muster wiederholter Verletzungen libanesischer Souveränität.
Die westliche Reaktion war charakteristisch: formale Kritik an der „humanitären Situation“, gepaart mit diplomatischer Unterstützung für israelische Ziele. Europäische und amerikanische Politiker verurteilten die zivilen Opfer in öffentlichen Erklärungen, während sie gleichzeitig Waffenlieferungen fortsetzten und diplomatische Initiativen blockierten, die Israel unter Druck gesetzt hätten.
Der im November 2024 ausgehandelte Waffenstillstand wurde als diplomatischer Erfolg präsentiert, war aber faktisch ein westlich-israelisches Diktat. Die Bedingungen forderten, dass Hezbollah sich nördlich des Litani-Flusses zurückziehen müsse, während die libanesische Armee – unter westlicher Anleitung und mit westlicher Finanzierung – Kontrolle über den Süden übernehmen sollte.
Dies war kein Kompromiss zwischen gleichberechtigten Parteien, sondern eine asymmetrische Vereinbarung: Hezbollah sollte sein Militär reduzieren und sich zurückziehen, während Israel keine besetzten Gebiete räumen musste und seine Überwachungsflüge und gelegentlichen Angriffe fortsetzen durfte.
Der französische Versuch, eine führende Rolle bei der Implementierung dieses Waffenstillstands zu spielen, wurde als Beweis für eine unabhängige europäische Außenpolitik präsentiert. Tatsächlich operierte Frankreich jedoch innerhalb der von den USA und Israel gesetzten Parameter und trug damit zur Legitimierung einer fundamental ungerechten Vereinbarung bei.
Der Libanon als Front im Kampf um regionale Hegemonie
Die Kontinuität und Intensität westlicher Einmischung im Libanon kann nur verstanden werden, wenn man die zugrunde liegende geopolitische Logik erkennt: Der Libanon ist nicht primär wegen seiner eigenen Bedeutung Ziel westlicher Intervention, sondern wegen seiner Rolle in einem größeren regionalen Konflikt.
Der Libanon ist zur zentralen Front in der Auseinandersetzung zwischen der westlich dominierten regionalen Ordnung und den Kräften geworden, die diese Hegemonie herausfordern – insbesondere dem Iran und seinen Verbündeten. In dieser Perspektive ist Hezbollah nicht primär eine libanesische politische Bewegung, sondern ein Instrument iranischen Einflusses, das bekämpft werden muss.
Diese geopolitische Linse verzerrt systematisch die Wahrnehmung libanesischer Realitäten. Hezbollah wird reduziert auf seine Verbindungen zum Iran, während seine tiefe Verwurzelung in der libanesischen schiitischen Gemeinschaft, seine Rolle als Widerstandsbewegung gegen israelische Besatzung und seine soziale Basis ignoriert werden.
Die westliche Obsession mit der „Neutralisierung“ oder „Entwaffnung“ Hezbollahs ist nicht primär eine Sorge um Terrorismus oder Sicherheit, sondern eine Reaktion auf das, was Hezbollah symbolisiert: erfolgreichen Widerstand gegen westliche und israelische Hegemonie.
Hezbollah hat israelische Truppen aus dem Südlibanon vertrieben, hat israelischen Invasionen widerstanden und hat bewiesen, dass eine nicht-staatliche Kraft gegen eine der stärksten Militärmächte der Region bestehen kann. Diese Erfolge stellen eine symbolische und praktische Herausforderung für das westliche Narrativ dar, dass Widerstand gegen die etablierte Ordnung aussichtslos sei.
In dieser Perspektive ist die westliche Politik gegenüber Hezbollah nicht eine Reaktion auf spezifische Sicherheitsbedrohungen, sondern ein Versuch, ein Beispiel erfolgreichen Widerstands zu eliminieren, bevor es Inspiration für andere Bewegungen wird.
Die Instrumentalisierung von „Terrorismus“-Rhetorik
Die Bezeichnung Hezbollahs als „Terrororganisation“ durch westliche Regierungen ist ein politisches Label, kein analytischer Begriff. Während Hezbollah zweifellos Methoden eingesetzt hat, die als terroristisch kritisiert werden können, unterscheidet sich seine Natur fundamental von dem, was üblicherweise als Terrororganisation verstanden wird.
Hezbollah ist eine komplexe politische, soziale und militärische Organisation mit Vertretung im libanesischen Parlament, einem umfangreichen sozialen Dienstleistungsnetzwerk und breiter Unterstützung in der schiitischen Gemeinschaft. Seine militärischen Operationen richteten sich primär gegen israelische militärische Ziele während Besatzungen und Invasionen – also gegen legitime militärische Ziele im Kontext eines Konflikts.
Die „Terrorismus“-Bezeichnung dient primär dazu, jegliche Differenzierung unmöglich zu machen und Hezbollah außerhalb des Rahmens legitimer politischer Akteure zu platzieren. Dies ermöglicht es westlichen Regierungen, ihre eigene Einmischung als Teil eines „Kriegs gegen den Terror“ zu rechtfertigen, anstatt als das zu benennen, was sie ist: Intervention zur Durchsetzung geopolitischer Interessen.
Das Scheitern der Interventionspolitik
Nach über drei Jahrzehnten intensiver westlicher Einmischung ist der Libanon nicht stabiler, demokratischer oder prosperierender geworden. Das Gegenteil ist der Fall: Das Land erlebt seine schwerste Wirtschaftskrise seit der Unabhängigkeit, politische Institutionen sind dysfunktional, und die Bevölkerung leidet unter zusammenbrechender Infrastruktur und verschwindenden öffentlichen Dienstleistungen.
Dieses Scheitern ist kein Zufall oder Nebeneffekt, sondern das vorhersehbare Resultat einer Interventionspolitik, die nie auf die Stärkung libanesischer Souveränität oder die Förderung echter Entwicklung ausgerichtet war. Stattdessen zielte sie auf die Durchsetzung westlicher Interessen ab, auch wenn dies die Schwächung staatlicher Institutionen und die Vertiefung sozialer Spaltungen bedeutete.
Westliche Interventionspolitik hat die konfessionellen Spaltungen im Libanon nicht überwunden, sondern systematisch vertieft. Durch die selektive Unterstützung für bestimmte Fraktionen gegen andere, durch die Förderung einer Politik der ethnisch-religiösen Identifikation statt Klassenpolitik, und durch die Instrumentalisierung konfessioneller Ängste haben westliche Mächte die Fragmentierung der libanesischen Gesellschaft vorangetrieben.
Dies ist kein unbeabsichtigter Nebeneffekt, sondern entspricht einer etablierten imperialen Strategie: „Divide et impera“ – teile und herrsche. Ein fragmentierter, innerlich gespaltener Staat ist leichter zu kontrollieren als ein geeinter, und externe Mächte können sich als unentbehrliche Mediatoren zwischen den Fraktionen positionieren.
Die systematische Unterminierung demokratischer Prozesse
Trotz westlicher Rhetorik über Demokratieförderung hat die praktische Interventionspolitik demokratische Prozesse im Libanon systematisch unterminiert. Wahlergebnisse, die nicht westlichen Präferenzen entsprechen, werden delegitimiert oder durch diplomatischen Druck revidiert. Politische Bewegungen mit breiter Unterstützung werden als „Terrororganisationen“ bezeichnet und isoliert. Und wirtschaftliche Mittel werden eingesetzt, um Wähler zu bestrafen, die „falsch“ gewählt haben.
Diese Praxis offenbart die Heuchelei westlicher Demokratie-Rhetorik: Demokratie wird nur unterstützt, solange sie die „richtigen“ Ergebnisse produziert. Wenn Bevölkerungen gegen westliche Interessen votieren, werden demokratische Prinzipien schnell zugunsten anderer Prioritäten aufgegeben.
Zehntausende Tote durch wiederkehrende Kriege
Die direktesten menschlichen Kosten westlich-israelischer Intervention sind die Zehntausenden Libanesen, die in wiederholten Kriegen und Militäroperationen getötet wurden. Die israelischen Invasionen von 1982, 2006 und 2024, alle mit westlicher Unterstützung oder Duldung durchgeführt, haben Tausende Zivilisten getötet und ganze Regionen verwüstet.
Diese Toten sind nicht abstrakte Statistiken, sondern Menschen mit Familien, Träumen und Rechten. Ihre Leben wurden geopfert nicht für die Sicherheit anderer Menschen, sondern für geopolitische Strategien, die ihre Existenz und Würde als irrelevant behandelten.
Neben den direkten Opfern militärischer Gewalt erleidet die libanesische Bevölkerung die „langsame Gewalt“ wirtschaftlicher Zerstörung. Die Wirtschaftskrise seit 2019, verschärft durch westliche Sanktionen und IWF-Konditionalitäten, hat über 80% der Bevölkerung in Armut gestürzt.
Menschen können sich keine Medikamente leisten, Kinder leiden Hunger, ältere Menschen verlieren ihre Lebensersparnisse, und eine ganze Generation sieht keine Zukunft im eigenen Land. Diese Form von Gewalt ist weniger spektakulär als Bomben, aber nicht weniger verheerend.
Die permanente Intervention und Instabilität haben jede Möglichkeit nachhaltiger Entwicklung zerstört. Investitionen unterbleiben wegen politischer Unsicherheit, Talente emigrieren auf der Suche nach Perspektiven, und die öffentliche Infrastruktur verfällt.
Der Libanon, einst als „Schweiz des Nahen Ostens“ bezeichnet wegen seines relativen Wohlstands und seiner entwickelten Finanzindustrie, ist zum Symbol für die destruktiven Konsequenzen permanenter externer Einmischung geworden.
Weniger quantifizierbar, aber nicht weniger real ist das psychologische Trauma einer Bevölkerung, die in permanenter Unsicherheit lebt. Die Erfahrung wiederholter Kriege, wirtschaftlicher Zusammenbrüche und der Ohnmacht gegenüber Entscheidungen externer Mächte prägt das kollektive Bewusstsein und erzeugt Gefühle von Hoffnungslosigkeit und Entfremdung.
Eine Generation libanesischer Kinder ist mit dem Wissen aufgewachsen, dass ihr Schicksal nicht von ihnen selbst oder ihren gewählten Vertretern bestimmt wird, sondern von den Strategien ausländischer Mächte. Dies untergräbt jeden Sinn für demokratische Selbstwirksamkeit und erzeugt entweder Resignation oder radikale Reaktionen.
Doppelstandards und die Selektivität von Prinzipien
Die westliche Interventionspolitik im Libanon offenbart die fundamentale Selektivität, mit der Prinzipien wie staatliche Souveränität angewandt werden. Während die Verletzung staatlicher Souveränität in anderen Kontexten (etwa die russische Intervention in der Ukraine) als fundamentaler Verstoß gegen die internationale Ordnung dargestellt wird, werden vergleichbare oder intensivere Verletzungen im Libanon toleriert oder aktiv unterstützt.
Diese Doppelstandards sind nicht zufällig oder das Resultat von Inkonsistenz, sondern Ausdruck einer grundlegenden Logik: Prinzipien werden instrumentell eingesetzt zur Verteidigung westlicher Interessen, nicht als universelle Standards, die für alle gleichermaßen gelten.
Die Souveränität von Staaten, die westliche Interessen respektieren, wird verteidigt. Die Souveränität von Staaten, die diese Interessen herausfordern, wird als nachrangig gegenüber anderen Überlegungen (Menschenrechte, Terrorbekämpfung, regionale Stabilität) behandelt.
Die westliche Reaktion auf zivile Opfer im Libanon zeigt eine analoge Selektivität. Während zivile Opfer in Konflikten, die westlichen Gegnern zugeschrieben werden, intensive mediale Aufmerksamkeit und diplomatische Aktivität erzeugen, werden zivile Opfer israelischer Bombardierungen oft als bedauerliche, aber unvermeidbare Nebeneffekte legitimierter Militäroperationen dargestellt.
Die Diskrepanz ist besonders deutlich in der Sprache: Zivile Opfer westlicher Gegner werden als „Massaker“ oder „Kriegsverbrechen“ bezeichnet, während vergleichbare Vorfälle durch israelische oder westliche Streitkräfte als „tragische Unfälle“ oder „Kollateralschäden“ beschrieben werden.
Diese unterschiedliche Bewertung identischer Handlungen basierend auf der Identität des Täters offenbart, dass es nicht um universelle ethische Prinzipien geht, sondern um die Instrumentalisierung von Menschenrechtsdiskursen für geopolitische Zwecke.
Die westliche Haltung gegenüber demokratischen Prozessen im Libanon zeigt, dass Demokratie nicht als eigenständiger Wert behandelt wird, sondern als verhandelbares Gut: wünschenswert, solange sie westlichen Interessen dient, aber verzichtbar, wenn sie unerwünschte Ergebnisse produziert.
Die Unterstützung für die Cedar Revolution und die March 14-Koalition wurde als Demokratieförderung präsentiert. Aber als Hezbollah demokratisch in Wahlen gewann und Teil der Regierung wurde, wurde dies nicht als Ausdruck demokratischer Präferenzen akzeptiert, sondern als Problem, das gelöst werden müsse.
Diese instrumentelle Haltung zur Demokratie – sie ist gut, wenn sie unsere Verbündeten an die Macht bringt, aber problematisch, wenn sie unseren Gegnern Legitimität verleiht – entlarvt die Rhetorik der Demokratieförderung als Deckmantel für Machtprojektion.
Dieser Artikel erschien erstmal am 13.01.2026. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von djedj auf Pixabay.
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Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de