Gottes eigener Sklavenhalter: Der neue Kreuzzug des Westens

Wenn der Westen von seiner „wertebasierten Ordnung“ spricht, schwingt immer ein moralischer Überlegenheitsanspruch mit. Man inszeniert sich als Hüter der Freiheit, als Überwinder der Barbarei und als die Zivilisation, die Freiheit und Gleichheit als Basis für Recht und Ordnung, als Grundlage des menschlichen Zusammenlebens verinnerlicht hat. Doch wer im Jahr 2026 die Augen öffnet, muss erkennen: Nichts davon ist wahr, der Rassismus im Westen wird von staatlichen Institutonen wieder genutzt, um wirtschaftliche Vorteile zu generieren. Selbst die Sklaverei ist nicht verschwunden. Sie ist zurückgekehrt, getragen von einem rassistischen und religiösen Wahn, der den „Anderen“ zum Objekt degradiert.

Die Sklaverei trägt heute Uniform oder Krawatte. Sie wird nicht mehr mit Peitschen, sondern mit Raketen und Notstandsgesetzen durchgesetzt. Um zu verstehen, warum der Westen glaubt, das Recht dazu zu haben, müssen wir auf sein ideologisches Fundament blicken.

Der Mythos vom „Heiligen Krieg“: Lizenz zur Entmenschlichung

Wenn wir den Begriff „Heiliger Krieg“ hören, denken wir konditioniert an den Nahen Osten. Doch diese Rhetorik ist das operative Herzstück der US-Politik. Ausgerechnet die Führungsnation der NATO bedient sich einer Symbolik, die tief im Religiösen verwurzelt ist, um imperiale Machtansprüche zu sakralisieren.

Erinnern wir uns an den 16. September 2001, als George W. Bush vom „Kreuzzug“ sprach. Das war kein Versprecher. Es war die Offenbarung einer politischen Theologie, die staatliche Gewalt heiligt. Bush sah sich als Werkzeug der Vorsehung. Berichten zufolge versuchte er sogar, den französischen Präsidenten Jacques Chirac mit Verweisen auf die biblischen Figuren „Gog und Magog“ für den Irakkrieg zu gewinnen – eine Argumentation, die nicht politisch, sondern apokalyptisch war. Dass dies keine private Spinnerei war, beweisen die sogenannten „Rumsfeld-Bibeln“: Verteidigungsminister Donald Rumsfeld versah militärische Geheimdienst-Briefings mit Bibelzitaten über Fotos von Panzern, um den Krieg als Vollstreckung von Gottes Willen zu rahmen.

Diese Denkweise hat eine brutale Tradition: Schon 1898 rechtfertigte Präsident William McKinley die blutige Annexion der Philippinen damit, er habe nach nächtlichen Gebeten den göttlichen Auftrag erhalten, die Filipinos zu „erziehen, zu erheben und zu christianisieren“. Dass die Menschen dort bereits katholisch waren, spielte keine Rolle – sie galten als „unfähig zur Selbstregierung“ und somit als Mündel der weißen Rasse. Die Doktrin der Manifest Destiny war nie eine säkulare Idee, sondern ein theologischer Freibrief für Landraub: Indigene Völker wurden als „Hindernisse“ in einer heiligen Geografie betrachtet, deren Beseitigung göttlicher Plan war.

Hier liegt die Wurzel des Rassismus: Dieser „Amerikanische Exzeptionalismus“ ist im Kern ein „ontologischer Rassismus“. Er konstruiert eine Hierarchie des Seins: „Wir“ sind die Erwählten, „die Anderen“ sind Verfügungsmasse. Generalleutnant William Boykin brachte diese Entmenschlichung im „Krieg gegen den Terror“ auf den Punkt, als er über einen muslimischen Gegner sagte: „Ich wusste, dass mein Gott größer war als seiner. Ich wusste, dass mein Gott ein echter Gott war und seiner ein Götze“.

Wer dem Gegner nicht nur die politische Legitimität, sondern auch die spirituelle Menschlichkeit abspricht (indem er ihn zum Diener eines „Götzen“ erklärt), für den gibt es keine Kriegsverbrechen mehr. Es gibt nur noch die Auslöschung des Bösen. Soziologische Daten bestätigen dies: Der Glaube an diesen „Christlichen Nationalismus“ ist in den USA untrennbar mit weißer Identitätspolitik und rassistischen Einstellungen verknüpft. Wer sich selbst als „God’s own country“ sieht, betrachtet den Rest der Welt zwangsläufig als seinen Hinterhof – oder als seine Sklavenplantage.

Venezuela: Die Exekution der Untermenschen

Diese Herrenmenschen-Mentalität zeigte sich in den letzten Tagen in Venezuela in ihrer brutalsten Form. Es ist dabei völlig unerheblich, wie das militärische Abenteuer der USA am Ende ausgeht oder ob sie die dauerhafte Kontrolle behalten. Allein der Wille zur Tat beweist die Rückkehr zur Sklaverei.

Donald Trumps Ankündigung, man werde das Land nun „führen“ und das Öl übernehmen, ist die reine Lehre des Kolonialismus: Ein ganzes Volk wird enteignet und zur Ressource für den amerikanischen Wohlstand degradiert.

Doch bevor die politische Versklavung ausgesprochen wurde, fand die physische Vernichtung statt. Über 100 Menschen wurden im Vorfeld durch die US-Armee ermordet. Venezolaner, Kolumbianer – ihre Herkunft spielte keine Rolle, ihr Leben zählte nicht. Die US-Propaganda labelte sie pauschal als „Drogenschmuggler“. Ein Beweis? Wurde nie vorgelegt. Ein Prozess? Fand nicht statt.

Diese beiläufige Tötung von über 100 Menschen zeigt den rassistischen Kern der modernen Sklaverei: Für die USA waren diese Menschen keine Rechtssubjekte, deren Schuld bewiesen werden muss. Sie waren bloße Biomasse, die im Weg stand. Wer Menschenleben so geringschätzig auslöscht, nur weil er „eben da ist“ und die Waffen hat, der betrachtet die lokale Bevölkerung nicht als Menschen, sondern als Verfügungsmasse.

Nebenbei: Zum Einwand Maduro sei nicht legitimiert:

Zum einen würde das nicht im geringesten den erfolgten Überfall und die Ermordung der Opfer rechtfertigen, zum anderen ist es faktisch schlicht falsch: Selbst feindlich gesinnte westliche Umfrageinstitute wie Delphos mussten zugeben, dass Maduro eine feste Basis von mindestens 25–30 % der Bevölkerung hat – das ist mehr Rückhalt als viele westliche Kanzler oder Präsidenten aktuell genießen. Zudem gab es seriöse ökonomische Analysen (z.B. von Francisco Rodríguez), die ein Kopf-an-Kopf-Rennen zeigten. Und Institute wie Hinterlaces, die die ärmere Bevölkerungsschicht wirklich abbilden, sahen ihn sogar bei über 50 %. Man kann nicht einfach alle Umfragen ignorieren, die einem nicht passen, und dann behaupten, es gäbe keine Legitimation. Die Millionen Menschen, die für ihn auf die Straße gingen, sind keine Phantome.

Ukraine: Der Bürger als staatliches Eigentum

Doch der Westen versklavt nicht nur den „Feind“ im globalen Süden, er versklavt auch den „Freund“. Der Blick auf die Ukraine zeigt uns die hässliche Fratze einer Gesellschaft, die das Individuum dem geopolitischen Wahn opfert.

Die Verlängerung des Kriegsrechts bis 2026, die Senkung des Einzugsalters und die Jagd auf Männer sind keine „Verteidigung der Freiheit“. Es ist Leibsklaverei. Wenn ein Staat über den Körper seiner männlichen Bürger verfügt wie über Munition, wenn er ihnen das Recht auf Flucht und das Recht auf Leben abspricht, dann behandelt er sie als Eigentum.

Auch hier greift das rassistische Wertegerüst des Westens, wenn auch subtiler: Für die Strategen in Washington und Brüssel scheinen slawische Leben billiger zu sein als eigene Truppen. Man ist bereit, die Ukraine „bis zum letzten Ukrainer“ kämpfen zu lassen. Das ist die utilitaristische Kälte des Sklavenhalters, der seine „Human Resources“ so lange in den Fleischwolf wirft, bis die Ressource erschöpft ist.

Gaza: Die Maske fällt endgültig

Wenn Venezuela die Plantage und die Ukraine die Kaserne des Westens ist, dann ist Gaza der Käfig. Nirgendwo tritt der rassistische Kern der westlichen Geopolitik offener zutage als im Umgang mit den Palästinensern.

Wir dürfen nicht vergessen: Es war der israelische Verteidigungsminister Joaw Gallant, der zu Beginn des Krieges von „menschlichen Tieren“ sprach. Diese Wortwahl ist kein Zufall. Sie ist die klassische Sprache der Sklavenhalter und Kolonialisten. Wer dem Gegner das Menschsein abspricht, muss sich an keine Regeln mehr halten. Man kann „Tieren“ das Wasser abdrehen, man kann ihre Lebensgrundlagen zerstören und ihre Krankenhäuser bombardieren.

Und der Westen? Er ist nicht nur stiller Beobachter, er ist der Lieferant. Während man in Sonntagsreden Menschenrechte predigt, liefert man die Bomben, die in Gaza Zeltlager zerfetzen. Dass hier eine Bevölkerungsgruppe kollektiv für die Taten einzelner bestraft wird, wird hingenommen. Warum? Weil im rassistischen Unterbewusstsein des Westens das Leben eines Arabers schlicht weniger wiegt. Gaza ist der Beweis, dass für den Westen Menschenrechte nicht universell sind, sondern ein Privileg für diejenigen, die auf der „richtigen“ Seite der Mauer stehen.

Das Ende der westlichen Moral

Die Ereignisse in Venezuela, der Ukraine und in Gaza sind keine isolierten Krisen. Sie sind drei Gesichter derselben Fratze.

In Venezuela sehen wir die raubbauende Sklaverei: Wir nehmen uns euer Land und töten euch, wenn ihr im Weg steht, ohne Rechenschaft abzulegen.

In der Ukraine sehen wir die militärische Sklaverei: Ihr müsst sterben, damit unsere geopolitische Ordnung an der Ostflanke besteht.

In Gaza sehen wir die totale Entmenschlichung: Wir stufen euch zu „Tieren“ herab, damit wir euch ohne Gewissensbisse vernichten oder vertreiben können.

Der Westen ist nicht der Überwinder der Barbarei. Er hat sie lediglich bürokratisiert. Er hat die Ketten durch Knebelverträge ersetzt, die Peitsche durch High-Tech-Waffen und die Moral durch Doppelmoral. Wer mordet, ganze Völker entmündigt und bei Völkermord Beihilfe leistet, hat jedes Recht verwirkt, der Welt Lektionen zu erteilen.

Der „Werte-Westen“ ist entzaubert. Er steht nackt da als das, was er im Kern vielleicht immer geblieben ist: Ein brutaler Sklavenhalter im 21. Jahrhundert.

Dieser Artikel wurde erstmals am 04.01.2026 veröffentlicht. Das Artikelbild ist ein Beispielbild, es wurde von Flux generiert.

Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de