Es gibt einen Satz, der wie kein anderer die moralische Bankrotterklärung der westlichen Außenpolitik zusammenfasst. Er stammt vom US-Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der in den 1980er Jahren über einen afghanischen Warlord sprach. Dieser Mann, Jalaluddin Haqqani, ein islamistischer Fundamentalist, wurde von Wilson als die „personifizierte Güte“ bezeichnet.
Warum? Weil er damals nützlich war. Heute führt das Haqqani-Netzwerk einen blutigen Terrorkrieg und gilt als eine der tödlichsten Bedrohungen für die Sicherheit. Dieses Zitat ist kein Ausrutscher. Es ist das Symptom einer geopolitischen Krankheit. Wenn wir uns die Geschichte und die Gegenwart ansehen, wird eines klar: Der Westen bekämpft den Terror nicht prinzipiell. Er managt ihn. Er finanziert ihn. Und wenn es politisch opportun ist, adelt er Schlächter zu „Freiheitskämpfern“.
Syrien: Das Reinwaschen der Schlächter
Blicken wir in die Gegenwart, nach Syrien. Die jüngsten Entwicklungen sind an Zynismus kaum zu überbieten. Abu Mohammad al-Jolani, der Mann, der einst den syrischen Ableger von Al-Qaida anführte und tief im Sumpf des „Islamischen Staates“ (IS) steckte, wird plötzlich salonfähig gemacht.
Während eine angeblich „feministische Außenpolitik“ in Berlin monstranzartig vor sich hergetragen wurde, sehen wir, wie Sanktionen fallen und diplomatische Fühler zu Gruppen ausgestreckt werden, die für archaische Unterdrückung stehen. Es ist das alte Spiel: Der Feind meines Feindes (Assad) ist mein Freund – egal, wie viel Blut an seinen Händen klebt. Dabei war das Warnsignal laut und deutlich: Die Gruppe Harakat Nour al-Din al-Zenki wurde von der CIA einst als „überprüft“ (vetted) eingestuft und mit hochmodernen TOW-Panzerabwehrraketen beliefert. Das Ergebnis dieser westlichen „Qualitätskontrolle“? Mitglieder dieser Gruppe enthaupteten 2016 vor laufender Kamera ein Kind. Später schlossen sie sich dem Terrorbündnis HTS an – und nahmen die US-Waffen einfach mit.
Ein globales System der Gewalt
Wer glaubt, Syrien oder Afghanistan seien bedauerliche Einzelfälle oder „Unfälle“ der Geschichte, der irrt gewaltig. Die Analyse der letzten 80 Jahre zeigt ein systematisches Muster, eine „Geopolitik der Zweckmäßigkeit“.
Der Balkan: Erinnern wir uns an den Kosovo. Anfang 1998 bezeichnete der US-Sondergesandte Robert Gelbard die UÇK noch klar als das, was sie war: „ohne Zweifel eine terroristische Gruppe“. Kaum ein Jahr später, als es gegen Serbien ging, war das vergessen. Die NATO machte sich zur Luftwaffe für genau diese Miliz. Ihre Anführer, gegen die später Vorwürfe schwerster Kriegsverbrechen bis hin zum Organhandel im Raum standen, wurden zu Staatsmännern aufgebaut. In Bosnien drückte die Clinton-Regierung beide Augen zu, als Mudschaheddin, inklusive Veteranen aus Afghanistan, ins Land strömten und Methoden wie rituelle Enthauptungen nach Europa brachten.
Lateinamerika: In Kolumbien wussten US-Behörden genau über die Verbindungen zwischen dem Militär und den rechtsextremen Paramilitärs der AUC Bescheid. Diese Todesschwadronen, tief verstrickt in den Drogenhandel, wurden als nützlicher Multiplikator im Kampf gegen linke Rebellen toleriert.
Südostasien: Das vielleicht dunkelste Kapitel ist Indonesien 1965. US-Diplomaten stellten der indonesischen Armee Listen mit Namen mutmaßlicher Kommunisten zur Verfügung. Es folgte ein Massenmord, dem Hunderttausende zum Opfer fielen. In Kambodscha unterstützte der Westen eine Koalition, die militärisch von den Roten Khmer dominiert wurde – jenen Genozid-Tätern, die man angeblich verachtete, nur um den Einfluss Vietnams und der Sowjetunion zu brechen.
Afrika: Ob in Angola, wo der Warlord Jonas Savimbi trotz brutaler Kriegsführung als Held gefeiert wurde , oder in Somalia, wo die CIA 2006 ein Bündnis verhasster Warlords finanzierte und damit den Aufstieg der Islamisten erst provozierte – das Muster ist identisch.
Das Schweigen im Westen
Dieses System hat kein Ende gefunden. Wir sehen es heute in der Ukraine, wo Gruppen mit offener Verehrung für historische Nazi-Kollaborateure nicht nur toleriert, sondern als Verteidiger der westlichen Werte hofiert werden. Wir sehen es im Nahen Osten, wo gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanyahu ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vorliegt – eine Tatsache, die in den westlichen Hauptstädten, die sonst so laut nach dem Völkerrecht rufen, mit betretenem Schweigen oder offener Ablehnung der Justiz quittiert wird.
Die „personifizierte Güte“ ist eine Lüge. Wenn der Westen von Werten spricht, meint er Interessen. Die Geschichte zeigt: Wer heute als „strategischer Partner“ mit Waffen beliefert wird, ist morgen der Terrorist, der unsere Sicherheit bedroht. Hekmatyar bombadierte Kabul , die Sahwa-Milizen im Irak liefen zum IS über, und die Waffen für die „moderaten“ Rebellen in Syrien landeten bei Al-Qaida.
Diese Außenpolitik ist ein Brandbeschleuniger für globalen Terror. Wer sich mit Mördern ins Bett legt, darf sich nicht wundern, wenn er in einem Blutbad aufwacht.
Dieser Artikel wurde erstmals am 11.01.2026 erstellt. Das Artikelbild ist ein Beispielbild von Kris auf Pixabay.
Zur Vorbereitung dieses Artikels wurde eine KI Recherche durchgeführt. Diese ist hier zu finden.
Quelle: Progressive Stimme - Argumente, Fakten, Quellen - https://progressivestimme.de